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Fußball 

Alles eine Frage des Geldes

24.06.2010 - WIESBADEN

Von Stephan Neumann

JUGENDFUSSBALL Crux der Aufsteiger: Nur auf Nachrücker setzen oder für Zugänge zahlen

In Hessens Landeshauptstadt bewegt sich der leistungsbezogene Fußball in den Nachwuchsklassen auf hohem Niveau. Mit seinen A-Junioren hat der SV Wehen Wiesbaden erstmals den Einzug in die Bundesliga geschafft. Parallel hat sich die B-Jugend des SV Frauenstein für die Hessenliga qualifiziert, der bereits Wehen Wiesbaden und Biebrich 02 angehören. Die 02er wiederum sind mit ihrer C-Jugend ins hessische Oberhaus zurückgekehrt, wo schon die Wehener Youngster vetreten sind.

Für diese sechs Topteams, insbesondere für die drei Aufsteiger, gilt nun im Rahmen der jährlichen, altersbedingten Fluktuation: Im Handumdrehen ein neues Team aus dem Boden stampfen, dabei auf Nachrücker der eigenen Schmiede zurückgreifen oder sich auf dem Transfermarkt umschauen. Fakt ist: Schon in diesen Jugendklassen spielt der Faktor Geld eine große Rolle.

Da diejenigen, die einen Aufstiegserfolg erringen, meist im Gros eine Altersetage höher rutschen oder in den Männerbereich überwechseln, entstehen für das künftige Team in der höheren Klasse Kader-Lücken, die nicht ausschließlich durch interne Aufrücker zu schließen sind. Beim SV Wehen Wiesbaden verbleibt ein Fundus an starken Spielern des Geburtsjahres 1992, die nun den älteren A-Jugendjahrgang bilden. Jungs, die 2009 als B-Jugendliche in den Entscheidungsspielen gegen Pirmasens knapp den Erstliga-Aufstieg verpasst hatten. So gesehen verfügt der SVWW über ein Fundament, wird aber noch externen Zuwachs brauchen, um sich in der Eliteliga zu halten.

Anders die Situation beim SV Frauenstein, dessen B-Jugend-Aufstiegs-Helden komplett zu A-Jugendlichen werden. „Unsere sehr gute B 2-Jugend wird nun zur B 1. Die Hessenliga bietet die Möglichkeit, die Jungs besser auszubilden. Aber es gibt keinen Druck, unbedingt den Ligaerhalt schaffen zu müssen. Zumal wir für neue Spieler in Verbindung mit höheren Reise- und Schiedsrichterkosten keine Ablöse zahlen wollen und können. Entweder muss ein Jugendlicher, der bei uns leistungsbezogen spielen will, bis zum 1. November warten oder es erfolgt eine Abmachung mit seinem bisherigen Verein, die eine etwaige spätere Rückkehr beinhaltet“, erläutert der Sportliche Leiter Hartmut Freudenberg Frauensteins Haltung.

Bei Biebrich 02 bildet die C 2, die Kreisliga-Meister geworden ist, den Grundstock des Hessenliga-Aufgebots. Mobby Wolf, der zum Trainerstab der künftigen C 1 zählt, wundert sich über den bislang ausgebliebenen Zulauf. Wo doch ein gewisses Budget für Zugänge vorhanden sei, betont er: „Wir bieten prima Rahmenbedingungen und nehmen gerne ambitionierte Spieler. Doch bislang haben wir nicht einen Zugang. Vielleicht liegt es daran, dass auf der linken Rheinseite noch bessere Bedingungen geboten werden. Vor allem Schott Mainz legt sich wohl mächtig ins Zeug.“ Ob die Qualifikation zur eingleisigen C-Jugend-Hessenliga, die im nächsten Spieljahr Platz sieben erfordert, so zu schaffen ist, steht in den Sternen.

Den Boden unter den Füßen verloren: Quentin Albrecht, einer der SVWW-Aufstiegshelden, weiß noch nicht, wo er nächste Saison spielt. 	Foto: rscp

Den Boden unter den Füßen verloren: Quentin Albrecht, einer der SVWW-Aufstiegshelden, weiß noch nicht, wo er nächste Saison spielt. Foto: rscpVergrößern

JUGEND-TRANSFERMARKT
Ab dem älteren D-Jugendjahrgang (Spieler, die 13 sind oder werden) kommen die in der Jugendordnung des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) verankerten Regelungen bei einem Vereinswechsel zur Anwendung.

Die Wechselfrist läuft jeweils vom 1. bis 30. Juni. Der abgebende Verein hat Anspruch auf eine Ausbildungs-Entschädigung. Sie orientiert sich an einem Sockelbetrag. Dazu wird für jede Saison, die der Spieler für seinen bisherigen Verein am Ball war, eine Summe angesetzt. Maximal werden sechs Jahre vergütet.

Entscheidend für die Höhe der Beträge ist die Spielklasse der ersten Mannschaft des künftigen Clubs. Je höher die Klasse des neuen Vereins, desto höher ist die Ablöse. Wechselt etwa ein Gruppenligaspieler zu einem Bundesligisten sind als Sockelbetrag 2 500 Euro und pro Jahr 200 Euro fällig.

In der Praxis einigen sich Vereine oftmals auf reduzierte Beträge. Falls nicht, bleibt der Spieler beim neuen Verein bis zum 1. November des Jahres gesperrt.

A-Jugendliche, die 18 sind (mit Zustimmung der Eltern schon ein halbes Jahr vorher), können im Status des Vertragsamateurs verpflichtet werden. Dann entfallen Ablöseforderungen.
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