Große Leere nach grandiosem Kick
23.06.2010 - BIEBRICH
Von Andreas Riechert
DAS GROSSE SPIEL DER KLEINEN Biebrichs A-Jugend verpasst im Elfmeterschießen den Hessenliga-Aufstieg
Als das Drama beendet war, nahmen Michael Schlemmer und Torsten Schmitz erstmal Abstand von ihrer Mannschaft. Nicht, weil ihr Team das Trainerduo über alle Maßen enttäuscht hatte. Dazu hätte es auch beileibe keinen Grund gegeben. Vielmehr deshalb, weil die tief enttäuschten Übungsleiter der Fußball-A-Junioren des FV Biebrich 02 sich gegenseitig Trost spenden mussten.
Starke Saison ohne Lohn
„Wir haben uns dort einfach gegenseitig abgeklatscht und gesagt, dass wir trotzdem eine tolle Saison gespielt haben“, presste Torsten Schmitz den Grund für das mehrere Minuten währende Gespräch im hintersten Winkel des Platzes hervor. Der Co-Trainer der Biebricher konnte seinen Frust auch zehn Minuten nach Ende der Partie gegen Eintracht Stadtallendorf kaum in Worte fassen. Einer Partie, die aus FVB-Sicht in letzter Sekunde eine katastrophale Wendung genommen hatte. Obwohl die grandios aufspielenden 02er im Elfmeterschießen alle Trümpfe in der Hand hatten und im Relegationsrückspiel um den Aufstieg in die Hessenliga dicht vor dem Sieg standen, blieb den Biebrichern am Ende doch nur die große Leere.
Nachdem es nach 120 hochklassigen Minuten 1:1 (1:0, 1:1) gestanden hatte, zogen die frustrierten Biebricher in der Lotterie vom Punkt mit 4:5 den Kürzeren. Und das, obwohl Innenverteidiger Kevin Ettingshausen den Schuss ins Aufstiegsglück auf dem Fuß hatte.
Hochachtung für die Elf
Während seine Mitstreiter Stavros Nikopolos, Camilo Rivera, Damir Baktasevic und Domenic Hachenberger ihre Pflichtaufgabe souverän gelöst und Keeper Marius Merten zudem den Strafstoß von Eintracht-Akteur Dennis Lapper aus der Ecke gefischt hatte, zeigte der Standard-Spezialist jedoch Nerven.
Ettingshausen ballerte die Kugel unplatziert in die Mitte und vergab. Die bereits totgeglaubten Stadtallendorfer waren wieder im Spiel. Es kam noch schlimmer: Auch der ansonsten bärenstarke Mustafa Nuri konnte Gästekeeper David Koch nicht überwinden. Da Christian Hooss die Oberhessen zuvor 5:4 in Führung gebracht hatte, bedeutete Nuris Fehlschuss das endgültige Ende aller Hessenliga-Träume.
„Shit happens“, resümierte Torsten Schmitz mit Galgenhumor. Es schien, als hätten beide Übungsleiter noch gar nicht realisiert, was da soeben passiert war. „Ich kann der Mannschaft nur absolute Hochachtung zollen. Sie hätte den Sieg verdient gehabt. Aber im Fußball gewinnt halt nicht immer die bessere Mannschaft“, haderte Schmitz. Womit der Coach zweifellos Recht hatte. Die Biebricher investierten alles, waren über die gesamte Spielzeit das agilere und gefährlichere Team und hätten mehr als die 1:0-Führung durch den späteren Unglücksraben Ettingshausen verdient gehabt (27.).
„Greifen wieder an“
Da Domenic Hachenberger (2./110.), Kevin von Michalkowsky (15./45.), Gaetano Peritore (33.), Damir Baktasevic (41.), Camilo Rivera (79./90.), Lukas Rädisch (90.+1) und Kevin Handrick (90.+2/114.) aber selbst die besten FVB-Chancen ungenutzt ließen, retteten sich die Stadtallendorfer durch ihren von einem Merten-Patzer begünstigten 1:1-Ausgleich (Musa Yesiltepe/65.) ins verhängnisvolle Elfmeterschießen.
„Es ist verdammt hart, auf diese Art zu verlieren. Aber wir greifen nächste Saison wieder richtig an“, versprach Biebrichs Kapitän Tim Maurer.

