Keller-Liga als Basis der erfolgreichen Klettertour
10.06.2010 - IDSTEIN
Von Stephan Neumann
MEISTERBRIEF Barisspor Idstein unter Trainer Mustafa Arslan mit Modell Jugendstil zurück in die B-Liga / Beeindruckende Bilanz mit 22 Siegen in 22 Spielen
In der 19er-Staffel der Fußball-Kreisliga A Rheingau-Taunus mussten die Vereine 36 Spieltage schwitzen, in der ausgedünnten C-Liga standen am Ende 22 Partien in der Bilanz. Inklusive etlicher Partien, die „kampflos“ gewertet wurden, weil speziell in der Saison-Endphase der Aspekt „Nichtantreten mangels Masse“ gehäuft zum Tragen kam.
Sofern kann Meister Barisspor Idstein nach einjährigem Intermezzo in der Kellerklasse froh sein, gleich den ersten Lift zurück in die B-Klasse erwischt zu haben. 22 Siege aus 22 Spielen standen am Ende zu Buche, und einzig der abgezogene Punkt wegen der Defizite beim Schiedsrichter-Soll trübt das makellose Bild. Keine Frage, Baris hat den Absturz genutzt, um mit vielen jungen, technisch starken Spielern gestärkter denn je zurückzukehren.
PLANUNG MIT WEITBLICK: Das ist wohl in erster Linie dem Weitblick der Verantwortlichen um Clubchef Nedim Karaali sowie Sinasi Aslan, Birol Aydin und Esat Turan zu verdanken, die im 20. Jahr des Bestehens den Neuaufbau forcierten. Ihr Anliegen: Youngster, die früher in der Baris-Jugend kickten, für das Projekt Wiederaufstieg zu begeistern. Das gelang auch deshalb so überzeugend, weil der ideale Trainer zur Stelle war. In Gestalt von Vereins-Insider Mustafa Arslan, der bei Baris einst Spieler und Nachwuchs-Coach war, nun in der Rolle des Chefcoachs zur Rückholaktion beitrug. „Nach den ersten Siegen entwickelte sich eine Euphoriewelle mit regelmäßig bis zu 25 Mann im Training“, erinnert sich Sinasi Aslan. Zehn Spiele bestritt der Organisator als Libero, danach räumte er freiwillig das Feld für junge Nachrücker. Die präsentierten sich als spielfreudige Einheit mit einer Vielzahl an torgefährlichen Akteuren.
ERST MAL AKKLIMATISIEREN: Das Projekt Jugendstil soll nun auf der B-Liga-Bühne nahtlos fortgesetzt werden. Die Zielsetzung schwankt zwischen Realismus und Zuversicht. Während Sinasi Aslan von „akklimatisieren“ und einem sicheren Mittelplatz spricht, hält Trainer Arslan (42) seinen Talentschuppen, in dem als Routiniers Feisal Ddaou und Nuri Caglar verblieben sind, für eine Platzierung im oberen Bereich befähigt. Gleichwohl wissen alle, dass die B-Liga nicht nur wegen der größeren Anzahl der Spiele höhere Anforderungen stellt. Das Team des Ex-Bezirksligisten, das punktuell ergänzt werden soll, muss möglicherweise wieder den Umgang mit Niederlagen lernen.
RESERVETEAM REANIMIERT: Positiv aber: Die eingeleitete Renaissance hat schon jetzt so viel Zulauf beschert, dass nächste Runde wieder ein Reserveteam gestellt werden kann. Abgänge, so Mustafa Arslan, gebe es nach derzeitigem Stand nicht. Belege, dass bei Baris die Welt in Ordnung ist und ein vorübergehendes Absacken in die tiefste Liga nicht in ein Untergangs-Szenario münden muss. Sondern in einen fruchtbaren Neustart.

