Wie eine Pizza mit wenig Belag
08.04.2010 - WIESBADEN
SPIEL DES TAGES Bei Italia ist vom Glanz früherer Tage kaum etwas übrig / Kellerduell mit Karadeniz
(nn). Der SV Italia hat einst in der Wiesbadener Fußballszene Geschichte geschrieben. Legendär sind die feurigen Auftritte auf der Sportanlage Rheinhöhe vor 500 und mehr Fans. 2000 Besucher lockte Mitte der 1990er Jahre das mit 1:0 gewonnene Aufstiegsspiel zur Bezirks-Oberliga in Biebrich gegen den FC Naurod an. Doch das ist alles Schnee von gestern. Jetzt stellt sich der Verein unter dem Namen SG Italia/Rhein-Main wie eine Pizza mit nur noch wenig Belag dar.
Existenz nicht gefährdet
Vier Niederlagen am Stück standen zuletzt in der Kreis- Oberliga zu Buche. Den einzigen Punkt im Jahr 2010 ergatterte die seit Januar von Christian Aschenbrenner trainierte Mannschaft beim 5:5 gegen den designierten Meister SC Mesopotamien. Die Italiener können sich noch glücklich schätzen, per Sportgerichts-Urteil drei Zähler aus der Partie gegen den SC Klarenthal erhalten zu haben.
Somit kommt Italia/Rhein-Main vor dem Schlüsselspiel gegen die mit 22 Zählern ausgestattete SKG Karadeniz (So., 15 Uhr, Bezirkssportanlage Kastel) immerhin auf 19 Punkte. Was nichts am Status "akut abstiegsbedroht" ändert. Stellt sich die Frage, ob ein etwaiger Absturz in die A-Liga den Fortbestand des Vereins gefährden würde, nachdem die Lage bereits im Sommer 2009 vorübergehend sehr kritisch zu sein schien. "Nein", antwortet Christian Aschenbrenner, von Existenzsorgen könne nicht die Rede sein. Wohl aber von einer äußerst prekären Situation: "Die Jungs wollen schön spielen, aber sie müssen jetzt in die Köpfe bekommen, dass zum Klassenerhalt gesunde Aggressivität in den Zweikämpfen notwendig ist. Überhaupt muss der gesamte Verein enger zusammenrücken", fordert der 40-jährige Coach ein gemeinsames Gegensteuern.
Peu à peu sind allerdings wichtige Kräfte abhanden gekommen. Geblieben sind mit Toni Miracapillo und Daniele Vargiu zwei Topspieler, die aber beide aus beruflichen Gründen kaum trainieren können. Pietro Putignano, Nico Benenati und Marco Carrera zählen zur Garde der Jüngeren, für die der Abstiegskampf ziemlich nervenaufreibend ist. Das Team ans rettende Ufer führen, danach mithelfen, die Struktur auf stabilere Beine zu stellen und mittelfristig die Jugendarbeit reaktivieren, das sind Aschenbrenners Ziele.
Klassenerhalt und Perspektiven schaffen, das ist auch die Mission von Murat Odabas (35) bei der SKG Karadeniz, die ebenfalls zahlenmäßig nicht sonderlich üppig und ohne Nachwuchsabteilung ausgestattet ist. Die meisten Akteure des C-Liga-Teams kämen nur zu den Spielen, beklagt Odabas in seiner ersten Saison als Coach zudem im Unterbau mangelnden Enthusiasmus.
Odabas will Optimum
In ihm selbst lodert das fußballerische Feuer dagegen wie zu seinen besten Torjäger-Tagen. Odabas ist stets bemüht, dass Optimum zu geben und herauszuholen. "Ich bin hungrig als Trainer und will unsere junge erste Mannschaft voranbringen", sagt der angehende B-Lizenz-Inhaber. Doch der Liga-Verbleib dürfte zum Drahtseilakt werden. Positiv immerhin, dass Said Silakhori im Winter vom Türkischen SV zurückgekehrt ist. Es schmerzt aber der Weggang der Brüder Turan und Osman Safak. Also müssen Routiniers ran: Co-Trainer Ruhi Gözötok spielt bereits, Mustafa Cicek hilft aus, falls es richtig brenzlig wird.

