Von Kerstin Prosch
WVS Der Verein wurde von Hafenschwimmern gegründet / Größte Erfolge durch die Kanuten
„Happy Birthday“, heißt es am Samstag im Hafen. Dort feiert der Wassersportverein Schierstein (WVS) im Rahmen seines traditionellen Sommerfestes seien 90. Geburtstag. Ab 18 Uhr sind alle Mitglieder, Freunde und Interessenten auf das Vereinsgelände eingeladen. Ob Segel- oder Motorboot, Kanu oder Drachenboot - der WVS ist genau die richtige Adresse für alle Schiersteiner (und natürlich auch andere Wiesbadener), die sich in ihrer Freizeit gern im Wassersport engagieren wollen.
Ein eigenes Boot muss sich niemand kaufen. „Wir haben Vereinsboote“, sagt Vorstandsmitglied Günter Renschin.
Klassische Anfängerkurse bietet der WVS allerdings nicht an. Einzige Ausnahme: In Kooperation mit einer Segelschule gibt es Segelkurse für Kinder und Jugendliche. Ansonsten gilt: Wer mitmachen will, kommt einfach vorbei und wird in die bestehenden Gruppen integriert. Jung und Alt sind gleichermaßen willkommen. Sollte jemand Wassersport nicht nur aus Spaß an der Freude betreiben wollen, kann er für den Wassersportverein Schierstein auf Wettkämpfen starten.
Vor allem die Kanuabteilung hat schon manchen Erfolg feiern können. „Wir haben bis heute 157 Deutsche Meistertitel errungen“, zitiert Renschin nicht ohne Stolz aus der Bilanz. Ein Höhepunkt sei zudem die Teilnahme einer Reihe von WVS-Kanuten an den Olympischen Spielen 1988 gewesen. Immerhin kehrten sie mit einem fünften und einem neunten Platz aus Seoul zurück.
Als der Verein vor 90 Jahren gegründet wurde, hatte sich das mit Sicherheit niemand träumen lassen. Freilich war schon die Geburt ein Großereignis. Denn der WVS wurde von sage und schreibe 69 Schiersteinern aus der Taufe gehoben, die sich ganz dem Schwimmsport verschrieben hatten. Im Schiersteiner Hafen zogen sie ihre Bahnen. Einige nahmen auch an Schwimmwettkämpfen teil. „1927 gründete sich dann die Ruderabteilung“, berichtet Renschin aus der Chronik. Fünf Jahre später richtete der Wassersportverein Schierstein zum ersten Mal im Hafen eine Ruderregatta aus. Wenig später begannen auch für die Sportler dunkle Zeiten. 1934 wurde der WVS „gleichgeschaltet“; der Sportbetrieb ruhte bis 1949.
Schwimmer und Ruderer nahmen dann nicht nur zügig wieder das Training auf, sondern etablierten in Schierstein auch das Hafenfest. Mehrere Jahre trat der Wassersportverein als Veranstalter auf, dann ging das beliebte Fest in die Verantwortung des Verkehrsvereins über.
Sportlich brachte das Jahr 1952 für den WVS Veränderungen. „Die Stadt verhängte für den Hafen ein Badeverbot“, erinnert sich Renschin. Der Verein bekam zwar in städtischen Bädern zu festgelegten Zeiten Bahnen zugeteilt. Letztlich war das Verbot jedoch der Anfang vom Ende der Schwimmabteilung.
Der Verein konzentrierte sich nun auf den Rudersport. 1953 nahmen einige Mitglieder an einer Ruderregatta in Italien teil. Im gleichen Jahr begann am Schiersteiner Hafen der Bau des Bootshauses, das weitestgehend in Eigenregie errichtet wurde. 1954 eröffnete der WVS eine Kanuabteilung, 1958 eine Segel- und Motorsportabteilung. Dafür löste sich in den 60er Jahren die Ruderabteilung auf.
„Weil immer wieder Leute fragten, ob sie nicht am Bootshaus zelten dürfen, gründete sich 1962 die Campingabteilung“, so Günter Renschin. 1995 schlossen sich als jüngste Gruppe dann erstmals Drachenbootfahrer der Kanuabteilung an. Auch sie waren schnell erfolgreich und starteten dieses Jahr sogar bei den Weltmeisterschaften in Kanada.
Der Verein, betont Renschin, biete aber auch jenen ein Zuhause, die ohne Wettkampfambitionen Wassersport betreiben wollen. Für sie werden beispielsweise Wanderfahrten in vereinseigenen Wanderbooten angeboten. „Der Verein ist einfach sehr aktiv und offen“, erklärt Renschin. Im Sinne stetiger Nachwuchssicherung, besteht seit 1995 eine Kooperation mit einer Schule. Auch bei der Aktion „Gemeinsam im Boot“, eine Kompetenztraining für Schüler, war der WVS schon dabei. Seit 1997 hat er einen Umweltbeauftragten und seit 1999 führt er die „Blaue Flagge“, eine Öko-Zertifizierung.

