Mit Jung-Star Bersch im Narren-Olymp
24.01.2012 - MAINZ-KASTEL
Von Monika Nellessen
KCK Karneval-Club Kastel geht Sitzung 2012 sportlich an / Viel Jubel auch für Rüdiger Schlesinger in neuer Rolle
Die blaue Deko im Kasteler Bürgerhaus würde jeder Olympia-Eröffnungsfeier zur Ehre gereichen. Dazu lässt das KCK-Ballett (Leitung: Anja Janz und Ilka Schollmayer) die olympischen Ringe als Hula Hoop-Reifen kreisen. „Der KCK ist top in Form, schafft locker die Olympianorm“ - so lautet das diesjährige Motto des Karneval-Clubs Kastel. Und damit verspricht der KCK nicht zu viel. Den Rechtsrheinern gelingt der Spagat zwischen liebevoller Traditionspflege und einem frisch-modernen Auftritt, zu dem auch junge Nachwuchs-Stars gehören. Und angesichts des in allen Disziplinen gelungenen Programms beweist das Publikum beim sechsstündigen Programm gerne Kondition.
Eine Innovation ist das Intro zur Sitzung: Erstmals zeigt der KCK ein Video („Sportstudio“), bei dem Aktive des Bischofsheimer Narrenkäfigs und Komiteefrauen mit der Schell durch Mainz joggen und unter der Jury unter anderem von KCK-Präsident Ludwig Hirsch und Sitzungspräsident Werner Böttner zu Kreppelstoßen und Büttenschieben antreten.
Die Goldmedaille 2012 indes gebührt Sportschau-Moderator Johannes Bersch für seinen zweiten Auftritt. Als „Jung Fastnachter“ schlenzt er auf die Bühne und wandelt binnen Minuten das närrische Auditorium in seinen Fanblock um („Da saache se, es gäb kei junge Fastnachter, ich kenn sie alle drei“). Noch bevor Berschs „I-Bütt“ über „meinebuett24.de“ mit Verspätung geliefert ist, hat er alle „ver-apple-t“: die TV-Fastnacht als „Gnadenhof der Mainzer Fastnacht“, die Wohnbau, bei der seine Bewerbung ausscheidet („Ich konnt mer zuviel merke. Un ich hab aach alles richtig gerechnet“) und die OB-Wahl, zu der er mit folgendem Slogan antritt: „Finthen 21 - näher am Spargel geht nicht!“ Alle im Saal „googeln“ (Bersch) sich vor Lachen. Standing Ovations und langanhaltender Applaus.
Den bekommt auch Rüdiger Schlesinger, nach elf Jahren erstmals nicht mehr als „Advokat des Volkes“, sondern als „Red-Akteur“ in der Bütt. Der Rollenwechsel gibt seinem politischen Vortrag einen Vitamin-Kick. Keiner ist vor seinen Sticheleien sicher: Die CDU, die sich von einem „Schwarzriesling“ in „Angela Rosé“ verwandelt, die SPD, die schwankt zwischen „Steinmeier, Steinbrück und Steinzeit“, Oskar Lafontaine („,Der König spielt nun - schlecht und recht - des Nachts auch noch den Wagenknecht“). Und mitten im Schussfeld: Bundespräsident „lonely“ Wulff - unterwegs mit der Hotvolee, ohne was im Portmonee. „Dein Weg wird kein leichter sein...“ schwant Schlesinger frei nach Xavier Naidoo.
Genauso brillant in seiner politischen Rundschau ist Protokoller Bardo Frosch. Zu Ex-OB Beutel als Zeuge vor Gericht meint er: „Es geht um e paar Millione, es Erinnern tät sich lohne“. Und urteilt knapp über Ministerpräsident Beck und dessen zurückgegebene 05-Dauerkarte: „Die alt beleidigt Leberworscht!“ Und dann ist da ja noch der „Flugzeug-Krach“, angesichts dessen Volker Bouffier den Beweis schuldig bleibt, dass er „nicht wie Roland Koch sich windet, die Leut belügt un dann verschwindet“.

