Die vielen Facetten der Fülle
05.09.2011 - KASTEL
Von Norbert Fluhr
KULTURTAGE Ausstellung in sakralem Umfeld mit mitreißenden Gitarrenklängen eröffnet
Der Sommer neigt sich dem Ende, die ersten Herbstage verleiten die Menschen zur Inspiration. Einer der zahlreichen Impulse, von der sich auch die Kunstschaffenden im sakralen Umfeld treiben lassen. Zum vierten Mal präsentieren Vertreter der Gruppe „Kunst am Strom“ im Rahmen des Stadtteilfestivals „Kulturtage“ in fünf Kirchen Kostheims ihre visuellen und literarischen Werke.
Am Samstag eröffnete Pfarrer Marcus Weber zum Auftakt in der Friedenskirche die Vernissage unter dem Motto „Fülle“ steht. Das Leitbild veranlasste den Seelsorger zu einem breit gefächerten Interpretations-Kanon: „Ich konnte mich von Anfang an mit diesem in unsere Zeit passenden Thema anfreunden.“ Der Begriff stehe als Synonym für vielfältige Betrachtungen: überbordende Kühlschränke, überquellende Autobahnen und gefüllte Tresoren vermitteln einen Eindruck vom Materialismus.
Ausdruck von breit gestreuten Begabungen
Das Thema sei vor dem Hintergrund der „Fülle von Armut, Hunger und Angst“ nicht harmlos. Die Fülle erfahre als Gegenpol zur Leere eine besondere Sentenz. Das Leben könne von Fülle besetzt sein, falls es „nicht glücklich und zufriedenstellend“ verlaufe. Wichtig sei, die Monotonie zu überwinden. Kunst ermögliche eine Wahrnehmung über die Sinne. Die Kunstwerke in den Kirche seien Ausdruck von breit gestreuten Begabungen der Künstler.
Der Sprecher der Gruppe, Matthias Harnisch, griff den philosophischen Faden Webers auf. Der Installationskünstler, dessen Arbeiten in der evangelischen Mich aelskirche zu sehen sein werden, wies darauf hin, dass die Künstler in den Gotteshäusern einen „größtmöglichen Spielraum“ gefunden hätte.
Dass sich unter den Kulturschaffenden aus Kastel, Kostheim und Umgebung ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut hat, zeigte sich im Anschluss. Als Vorgriff auf das Erntedankfest hatten sie den Sakralraum mit Früchten versehen.
Feuerige Flamencoklänge im Gotteshaus bot das Gitarrenduo Manolo und Manuel Lohnes. Mit Beifall bedachten die Besucher der Vernissage die virtuose Darbietung der Beiden. Dass der Flamenco das Lebensgefühl betont, bestätigte sich bei dem Konzert. „Musik und Literatur sind für mich eine Herzensangelegenheit“, sagte Manolo Lohnes, der am Samstag, 1. Oktober, zum Nachschlag zu den Kulturtagen in der Stephanuskirche sein Repertoire noch einmal vorstellt.
Der ob seiner Virtuosität mehrfach ausgezeichnete Gitarrist hat sich aber nicht nur der traditionellen Flamenco-Musik verschrieben. Davon konnte sich das Auditorium bei seinem Auftritt zusammen mit seinem Sohn Manuel überzeugen. Auf seiner „Marin-Gitarre“ entfachte der Künstler ein wahres Feuerwerk der Lebensfreude. Dabei bestach Lohnes, der von Manuel am E-Bass begleitet wurde, durch phrasierende Eigenkompositionen. Als Ausgangspunkt ihrer musikalischen Zeitreise hatte das Duo Sevilla gewählt. Die andalusische Stadt begeistert alljährlich mit der Feria de Avril, einem großen Fest nach Ostern. Bei Sevillanas genannten Tänzen, treten die Musiker in Aktion.
In mitreißenden Klänge interpretierte das Duo auch den Flamenco aus Peru, Argentinien, Bolivien und Kuba. So verstanden es die Gitarristen, mit einer „Rumbita“ und einer Adaption einer in Kuba beliebten Weise bei den Zuhörern die Seele baumeln zu lassen. Furios auch das Stück „Molienda dolorosa“, bei dem beide Künstler ihre Solo-Fähigkeiten unter Beweis stellen konnten.

