Von Kathrin Handschuh
TOUR Omnibus startet heute in Freudenberg, um in Südosteuropa für Bürgermitbestimmung zu werben
Griechenland, Türkei, Bulgarien, Kroatien zwei Monate fährt Manfred Küppers nun quer durch Osteuropa. Er sitzt am Steuer des "Omnibus für mehr Demokratie in Deutschland", der nun erstmals die deutsche Grenze überqueren wird. Am Schloss Freudenberg startet am Montag die Tour, die auf Einladung des Goethe-Instituts für Volksabstimmung und mehr Mitbestimmung der Bürger werben soll.
"Im Schloss haben wir eines unserer Basislager", erklärt Brigitte Krenkers, die das Projekt 1987 mitbegründete. "Hier treffen wir uns regelmäßig alle drei Monate zu Gesprächsrunden." Mit dabei ist auch die Partnerorganisation "Mehr Demokratie". "Viele europäische Länder befinden sich in einer Krise. Dort herrschen Korruption, Armut und ungerechte Steuersysteme. Dort wollen wir mit den Bürgern, also der Basis, sprechen", sagt Roman Huber, Geschäftsführer bei "Mehr Demokratie".
Die rund 8000 Kilometer lange Reise steht in der Tradition der 1971 von Joseph Beuys gegründeten Organisation für Direkte Demokratie und Volksabstimmung. Für Brigitte Krenker und ihre Mitstreiter vom Vorstand ist der Omnibus der Weg zum Kunstwerk der Demokratie, "das von freien und selbständigen Menschen geschaffen und weiterentwickelt wird".
Die Parteien seien für die Bürger längst keine Alleinentscheider mehr. "Jeder soll seine Zukunft verantwortlich mitentscheiden können", betont Brigitte Krenker. "Die Bürger warten darauf, dass endlich etwas passiert", sagt Manfred Küppers. Mit ihrem fahrenden Gesprächszentrum will das Team unter anderem in den Hauptstädten von elf südosteuropäischen Ländern Station machen und über die Möglichkeiten von Volksbegehren und Volksabstimmungen sprechen.
"Demokratie und Kunst gehören zusammen", sagt Johannes Stüttgen, ehemaliger Beuys-Schüler und Ideengeber des Omnibusses. Auf der Reise sollen unter anderem mehrere Universitäten in Istanbul und die Biennalen in Thessaloniki und Athen besucht werden. Die Rückkehr ist für den 14. November in München geplant.
Der ausrangierte blaue Vorgänger des weißen, voll ausgestatteten Busses steht übrigens im "Erfahrungsfeld der Sinne" auf dem Freudenberger Schlossgelände und ist mittlerweile Heimat von sieben Bienenvölkern, die Honig produzieren. Außerdem lagern dort rund eine Million Unterschriften für die bundesweite Volksabstimmung. Mit dabei hat der Omnibus auch Gesetzentwürfe zur Volksabstimmung und den entsprechenden Rahmenbedingungen. Als Höhepunkt der Reise soll Anfang Oktober in Athen eine internationale Erklärung zur Direkten Demokratie verabschiedet werden.

