Aufgewachsen in der Gastronomie
20.07.2010 - DOTZHEIM
Von Marianne Kreikenbom
SCHÖNBERG-STUBEN Ein Bad Schwalbacher und eine Medenbacherin verwöhnen jetzt das Kohlheck
Die „Schönberg-Stube“ ist - ganz einfach - nach der Schönbergstraße benannt, an der sie liegt. Straße und Lokal befinden sich in einem Wohn- und Gewerbegebiet, das ab den 1950er Jahren auf dem Kohlheck zwischen Langendellschlag und Trasse der Aartalbahn entstand. Ein Stück die Schönbergstraße hinunter und dann links ist der Bahnhof Dotzheim.
„Wir sind hier im Kohlheck“, sagt Christian Schreiber, der mit Ehefrau Sonja seit Mai 2006 die „Schönberg-Stube“ betreibt. Der Mann vom Nachbartisch wendet sich um und erklärt: „Ich bin von Dotzheim.“ Er sitzt an einem dieser glutheißen Julitage auf der Terrasse unterm Sonnenschirm beim Bier und gehört zu den Stammgästen. Eine Gruppe von Nachbarn trifft sich hier regelmäßig. Der Älteste sei über die Neunzig, aber das merke man ihm nicht an, erzählt Christian Schreiber.
Die Tafel mit dem Tagesangebot empfiehlt Spargelcremesuppe (3,50 Euro), Tafelspitz mit Grüner Soße, Bratkartoffeln und Salat (12,50 Euro), gebratenes Rotbarschfilet mit Tomaten-Basilikum-Pesto und Kartoffelbällchen (11,50 Euro) sowie Vanilleeis mit marinierten Erdbeeren (3,50 Euro). Bei der Hitze ist Süßschnäbeln vermutlich eher nach Eis zumute. Freunde des Herzhaften bevorzugen eventuell den regionalen Spundekäs mit Brezelchen (4,50 Euro) oder einen Handkäs mit Musik und Bauernbrot (4,50 Euro). „In der Spargelzeit hatten wir eine separate Spargelkarte“, sagt Christian Schreiber. Aber die Saison ist vorbei, und die Spargelcremesuppe im Tagesangebot nur ein Nachklang.
Gibt es in der „Schönberg-Stube“ eine Küchenphilosophie? „Wir bieten unseren Gästen gehobene, gute deutsche Küche“, antwortet Christian Schreiber. „Alles ist frisch gekocht, jeder soll satt werden, und jedem soll es schmecken“, fügt seine Frau hinzu. Zur guten deutschen Küche gehören das unverwüstliche Schweineschnitzel mit Zigeunersauce, Champignonrahmsauce oder Zwiebeln nebst Bauernbrot (jeweils 7,50 Euro) und ein ordentliches Rumpsteak mit Kräuterbutter, Pfefferrahmsauce oder Zwiebeln und Brot (13,00 Euro). Beilagen wie Pommes, Bratkartoffeln oder Kartoffelecken muss man extra bestellen (je Portion 2,00 Euro). Auch Matjes Hausfrauenart (7,50 Euro), Strammer Max mit zwei Spiegeleiern (5,80 Euro) oder Schweinebraten mit Knödel und Sauerkraut (9,50 Euro) findet man auf der Karte. „Hier werden die Knödel noch vom Küchenchef selbst gerollt und nicht aus einem Beutel gedrückt“, lobte ein Gast per Internet in seiner Restaurant-Kritik.
Umzug aus der Schießsportschule
Der gelernte Koch und heutige Küchenmeister Christian Schreiber und die gastronomische Quereinsteigerin Sonja Schreiber - nach dem Abitur absolvierte sie eine Banklehre und wechselte später aus Liebe den Beruf - führten fast zwanzig Jahre das Hotel und Restaurant im Bundesleistungszentrum (BLZ) des Deutschen Schützenbundes an der Lahnstraße in Klarenthal. Auch wenn dieses Restaurant vor allem Sportlern in Trainings- oder Ausbildungskursen zur Verfügung stand, war es öffentlich zugänglich. „Man musste uns allerdings kennen“, meint Christian Schreiber. Es habe ganz „normale“ Klarenthaler Stammgäste dort gegeben. Viele seien ihnen in die „Schönberg-Stube“ gefolgt.

