„Planung kritisch hinterfragen“
31.12.2010 - BIEBRICH
Von Joachim Atzbach
BÜRGERINITIATIVE Einwendungen im Zusammenhang mit Neubau der Schiersteiner Brücke
Über 160 Einwendungen im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau der Schiersteiner Brücke bringen Biebricher Bürger vor. Gestern Nachmittag, kurz vor Ablauf der Einspruchsfrist zur Planfeststellung, wurden im Stadtplanungsamt die Einwendungen zur Weiterleitung an das Darmstädter Regierungspräsidium übergeben. Angestoßen und organisiert hatte den Protest die Initiative „Biebricher gegen Verkehr XXL“.
„Wir nehmen jetzt nur unser Recht in Anspruch, die Planung kritisch zu hinterfragen. Keinesfalls wollen wir den Baubeginn verzögern oder gar verhindern“, distanzierte sich XXL- Sprecher Mario Bohrmann deutlich gegenüber in den vergangenen Tagen immer wieder vorgebrachten Vorwürfen.
Ziel der Einwendungen sei zum einen, die während der Bauphase zu erwartenden Beeinträchtigungen an Lebens- und Wohnqualität so gering wie möglich zu halten. Zum anderen fordern die Einwender größtmögliche Lärm- und Immissionsschutzmaßnahmen, die sie beim derzeitigen Planungsstand nur unzureichend gewährleistet sehen. Für die „im Zangengriff zwischen A 643 und A 66“ gelegenen Siedlungen Rosenfeld und Selbsthilfe sollte damit auch ein Verkehrsgesamtkonzept einhergehen.
Die größten Teils hier in dritter und vierter Generation lebenden Menschen genießen trotz der Durchschneidung ihrer Siedlungsgemeinschaften durch die Äppelallee noch den Status von Kleinsiedlungen“, erinnerte Bohrmann. Nicht hinnehmbar sei daher, dass Baufahrzeuge mit Brückenabraum die Äppelallee benutzen. „Wir sehen zusätzliche Lärmbelastungen und Schäden an unseren Immobilien auf uns zukommen, sowie weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Schadstoffe und Feinstäube.“ Stattdessen fordert Bohrmann, dass sämtliche Zu- und Abfahrten zur Brückenbaustelle ausschließlich über A 643 und A 66 beziehungsweise durch Schiffsanlandungen erfolgen. Weiterhin soll die Umwandlung von Teilen oder der ganzen A 643 zur Stadtautobahn geprüft werden. Die Behandlung als Stadtautobahn gäbe auch mehr Raum für eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs zwischen Mainz und Wiesbaden.
„Einen Runden Tisch mit allen zuständigen Ämtern“, nannte Bohrmann als nächstes Etappenziel der Initiative. Um alles Machbare rasch und möglichst unkompliziert zu klären.

