Von Marianne Kreikenbom
ATELIER CULTURE Das Projekt floriert - nun wird professionell an der Vision 2011 gearbeitet
Seit Anfang des Jahres begleitet das Tagblatt den Wiesbadener Näh-Salon „Atelier Culture“ mit Berichten über das Wachsen und Gedeihen nicht nur einer ungewöhnlichen Geschäftsidee, sondern auch des geplanten „Welt-Teppichs“. Im Atelier Culture haben sich nähbegeisterte Frauen unterschiedlicher nationaler und kultureller Herkunft zusammengetan, um anderen - Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern - den Spaß am Selbernähen zu vermitteln.
2009 als Stadtteilprojekt gestartet, mausert sich das Atelier inzwischen mächtig zum Erfolgmodell. Höchste Zeit für einen Strategie-Workshop mit ihrem Strategie-Team, fand Atelier-Initiatorin und Gründerin Anke Trischler. Es ging um die Vision 2011. Die Moderation überließ sie wegen des Blicks von außen der Frankfurterin Manuela Kaps, Fachfrau für Projektberatung und -coaching.
Kurz vor Beginn zog Andrea Schwarz, Veranstaltungsorganisatorin aus Frankfurt, schnell noch eine Naht auf der Bernina. Im Atelier Culture mache ihr das Nähen besonders viel Spaß, gestand sie. Andrea Schwarz hat unter anderem beim vom Atelier organisierten ersten Rhein-Main-Nähkongress in der Orangerie im Aukamm mitgemacht. Hilfreich zur Seite stand Sabine Jordan den Bankmitarbeitern beim Welt-Teppich-Nähen in der Deutschen-Bank-Filiale Wilhelmstraße. Die passionierte Hobbyschneiderin ist beruflich bei IBM tätig und lernte Anke Trischler bei einem Nähkurs in der Schweiz kennen. Die Möglichkeit, im Atelier ihr Wissen an andere weiterzugeben, sei eines der Motive für ihre Mitarbeit im Strategie-Team.
Auch die gelernte Schneiderin Sameena Azam und Elilia Orozco Bueno, die schon als Kind nähen gelernt hat, geben ihr Wissen und ihre Erfahrung gern an andere weiter. „Wir sind mit Leib und Seele dabei und hoffen, uns hier im Atelier Culture beruflich etablieren zu können, sagt die gebürtige Kubanerin Elilia. Zwei große Rollen Stoff - rot mit weißen Punkten - warten auf Zuschnitt: insgesamt neunzig Meter für vierzehn Flamencokleider. Gaby Herzog, Inhaberin der Flamencoschule „Jaleo“ in der Blücherstraße, hat sie für ihre Gruppe bestellt. Bis zu deren Auftritt bei „Wiesbaden tanzt“ im September müssen die Kleider fertig sein. „Maß genommen haben wir schon.“ Den Auftrag verdanke Atelier Culture dem Tagblatt-Bericht über Elilia und ihr Volantskleid im „Bata-Cubana“-Stil.
Sameena hat sich vor kurzem im Abendgymnasium angemeldet. Mit Hilfe von Anke Trischler, Elilia Orozco Bueno und anderen aus dem Atelier-Team werde sie es schaffen. „Alle zusammen bringen wir eine bunte Mischung aus Erfahrung, Ambition, Neugier, Mut und Spaß mit, um ein Unternehmen wie das Atelier Culture praktisch aus dem Nichts aufzubauen“, erklärt Anke Trischler. Das Atelier habe sich eigendynamisch in ungeahnte Richtungen entwickelt. Die Nähaufträge mehren sich, es gibt rund zwanzig „Stammkunden“, dreimal in der Woche das offene Näh-Café, zudem Nähkurse und Workshops, Näh- und, Stadtteilberatung, einen Nähkongress und zahlreiche Anfragen. All das brauche nun eine Struktur und ein klares inhaltliches Ziel. Das sei ihr aufgegangen, erklärt Anke Trischler, als Elilia von ihrer Vision sprach, das Atelier Culture müsste umziehen: vom ersten Stock mit Hofzugang in einen Erdgeschossladen im Mittelpunkt der Straße, um für jeden sichtbar spannende Stoffprodukte anzubieten, ein Näh-Café mit Veranstaltungen einzurichten, mit jungen Designern zusammenzuarbeiten, individuelle Mode zu produzieren und zu verkaufen und die vielen Potenziale zu nutzen.

