Von der Premiere waren alle Teilnehmer begeistert
04.10.2011 - BIEBRICH
Von Christina Kilb
TANZSPORT Erstes Internationales Rollstuhl-Turnier in Biebrich
Seit ungefähr einem Jahr ist das Tanzsportzentrum des TC Blau-Orange, den es seit 1934 gibt und der zuletzt in Bierstadt seinen Sitz hatte - nun schon im Biebricher Abschnitt der Erich-Ollenhauer-Straße zu finden, schräg gegenüber der Herz-Jesu-Kirche. Da das Gebiet der früheren Gartenbauzentrale ebenerdig ist und von Seiten des Ersten Vorsitzenden des Arbeitskreises aller Behindertenverbände Joachim Mast und dem Behindertenbeauftragten der Stadt Wiesbaden Lothar Herborn das Interesse gegenüber einer Rollstuhl-Tanzabteilung groß war, wurde diese auch Wirklichkeit.
„Vor diesem Hintergrund haben wir die Rolli-Abteilung eingeführt“, sagt der Erste Vorsitzende des Vereins Klaus Meyer. Inzwischen gebe es insgesamt 14 Paare bei Blau-Orange, die von der aktuellen deutschen Meisterin Andrea Naumann trainiert werden.
Zur großen Freude und Motivation aller fand am vergangenen Samstag das Erste Internationale Rollstuhl-Tanzturnier in Standard und lateinamerikanischen Tänzen statt. Dazu waren 41 Starter aus acht Ländern zu elf Wettbewerben angereist. Von 10 bis 18 Uhr wurde um den Preis, die „Schloss-Biebrich-Trophy“, getanzt - ein von der Behindertenwerkstatt der Schlocker-Stiftung in Hattersheim gefertigter Holzpokal mit stilisiertem Rollstuhl als Motiv.
Den Titel trägt die Trophäe deshalb, da das Tanzsportzentrum ja nun in Biebrich angesiedelt ist und der Verein sich zudem lokal präsentieren wollte.
Nach der Siegerehrung wurde ausgelassen gefeiert. „Es war eine irre Stimmung“, so Klaus Meyer tags darauf. „Man hat uns gesagt, dass die Stimmung besser war als bei den Deutschen Meisterschaften“, strahlt der Vorsitzende begeistert. Die Atmosphäre sei einfach umwerfend gewesen und „es wurde sich mit Tränen darüber gefreut“.
Getanzt wurde in zwei Versionen, einmal in der „Kombi“, die Klaus Meyer als die Verbindung von „Rollstuhlfahrer und Fußgänger“ erklärt, und einmal als „Duo“, was den Tanz zwischen zwei Rollstuhlfahrern umschreibt. Das Gewinnerland des Abends war eindeutig Österreich, gefolgt von Malta und der Slovakei. International wurde die Veranstaltung ausgerichtet, da zu Turnieren die eigenen Rollstuhltanzpaare immer ins Ausland reisen mussten, hauptsächlich in die Niederlande, die „führend in diesem Gebiet sind“, so Klaus Meyer. Da wollte man einmal den Spieß umdrehen und alle Paare hierher nach Wiesbaden einladen.
Unterstützt wurde das Ganze durch „heftige Zuschüsse“ von Bürgerstiftungen wie „Aktion Mensch“, der „Gold-Kraemerstiftung“, des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes und vielen anderen. Unterstützung kam auch vom Fahrdienst des Fördervereins der Bodelschwinghschule, der die Gäste sicher in ihr Hotel in Frankfurt brachte, da es dort genügend „günstige und barrierefreie Zimmer gab“.
Gelungener hätte das Erste Internationale Rollstuhl-Tanzturnier in Biebrich wohl kaum auf über die Bühne gehen können, sogar das Fernsehen war bei der Veranstaltung zugegen. Das Ergebnis verfolgten alle Beteiligten am Abend gespannt und aufgeregt in der Hessenschau. Schon jetzt steht fest: Alle wollen wiederkommen, wenn im nächsten Jahr die zweite Auflage des Rollstuhl-Tanzturniers in Biebrich ausgetragen wird.

