Von Wolfgang Wenzel
KULTURTAGE Stadtteilfestival wartet mit Hochkarätigem aus Film, Theater und Musik auf
/KOSTHEIM/KASTEL. "Der Rhein in Eisfesseln" ist einer der dramatischsten Stummfilme, in dem der Regisseur Edy Dengel den frostigen Winter 1929 vor dem Biebricher Schloss festhielt. Zu sehen ist das Dokument aus der großen Zeit Wiesbadens als Filmstadt, in der die Bilder laufen lernten, beim Stadtteilfestival Kulturtage. Und zwar in der Kostheimer Zündholzfabrik als einem neu entdeckten heimlichen Zentrum der Kulturtage, dem das in Schwierigkeiten steckende Klärwerk auf der Maaraue in diesem Jahr den Rang abgibt.
Das Festival vom 28. August bis 27. September hat einen hohen Anspruch. "Unser Motto heißt Qualität statt Quantität", sagt Monika Fuhrmeister von der Initiativgruppe Kulturtage, die das früher über 100 Beiträge umfassende Programm auf 30 Angebote eindampfte. Alles Hochkaräter wie der Filmabend mit amüsanten Fundstücken aus neun Jahrzehnten Filmgeschichte am 3. September, zusammengestellt von Uwe Schriefer.
Gezeigt werden ihn dem industriellen Ambiente der alten Fabrik nicht nur die Stummfilm-Klassiker von vorgestern, sondern auch Werbefilme von gestern aus den 50er Jahren. In dem Industriehof wird es in diesem Sommer noch mehrfach spannend zugehen. Neben dem Film als Ausdrucks- und Gestaltungsmittel rückt die Kriminalliteratur als das anregende Element ins Zentrum der Kulturtage, aufbereitet von der Kostheimer Autorin Gisela Winterling und präsentiert von der Schauspielgruppe Ignous am 30. August. In dem Stück "Tödliche Tatsachen" werden authentische Fälle des Wiesbadener Polizeipräsidiums zu einer Theatercollage verarbeitet. Die Aufführung zählt zu den wenigen, bei denen die Organisatoren des Stadtteil-Festivals ein Eintrittsgeld von den Besuchern erheben. Ziel der Kulturtage sei es, die Sinne der Menschen für das Kulturelle in Amöneburg, Kastel und Kostheim zu schärfen und die Szene durch externe Beiträge zu beflügeln, sagt Monika Fuhrmeister. Dieser Anspruch ziehe sich wie ein roter Faden durch das Programm. Wer sich angemeldet habe, sei auch aufgenommen worden. Das Festival habe in den zwölf Jahren seines Bestehens große Erfolge gefeiert. So gut wie alle Kulturschaffenden hätten sich schon mit Beiträgen beteiligt, anscheinend hätten sich ie Kulturtage etabliert, sagte die Mitinitiatorin.
Zu den tragenden Säulen des Festivals in diesem Sommer zählten Kooperationen. Eine davon sei das in Zusammenarbeit mit dem Stadtumbau-Programm von der Kostheimer Künstlerin Elli Weishaupt gestaltete Projekt "Kunst in Schaufenstern". Damit solle betont werden, dass hinter den Schaufenstern der Geschäfte in der Mainzer Straße in Kastel von Sonnenauf- bis zum -untergang blühendes Leben herrsche. Mit von der Partie seien auch die Kirchen. Eröffnet werde das Festival von dem Kabarettisten Stefan Herok in der Friedenskirche am 28. August. Die Erlöserkirche bietet Usch Quednau eine Plattform für die Ausstellung "Side Effects". Das Duo Unikat gastiert am 13. September beim Musikkreis Sankt Kilian im Ferrutiushaus. Effektvoll wird auch wieder das von den Kulturtreibenden Vereinen in der Reduit gestaltete "Open Air" vom 4. bis 6. September. Nicht dabei ist zum Leidwesen der Initiatoren der Förderverein für ein Fernsehmuseum, vom dem sie sich beim nächsten Festival 2010 einen Beitrag erhoffen.

