Kostheimer fahren „Baby-NAW“
21.08.2010 - AMÖNEBURG
Von Norbert Fluhr
EINWEISUNG Rettungssanitäter des ASB-Ortsverbandes betreuen fortan Notarztwagen für Säuglinge
Eine neue Aufgabe haben die Rettungssanitäter des Kostheimer Arbeiter-Samariter-Bundes erhalten. Sie zählen zu der Mannschaft, die den an den städtischen Dr. Horst-Schmidt-Kliniken stationierten Babynotarztwagen betreut. Der „Baby-NAW“, wie er genannt wird, hat am Klinikum Tradition. Um die Säuglingssterblichkeit zu bekämpfen, nahmen die Rettungsorganisationen in den 70er Jahren eine extra ausgestattete Fahrzeugflotte in Betrieb.
Vor 30 Jahren schaffte auch der Arbeiter-Samariter-Bund Wiesbaden den ersten Baby-NAW für den Ortsverband an. Das Spezialfahrzeug wird seither überwiegend für Verlegungsfahrten von Früh- und Neugeborenen eingesetzt. Ein Kinderarzt, eine Kinderkrankenschwester und ein Rettungssanitäter sind immer an Bord. Bei einem Einführungskurs in der Amöneburger Rettungswache Süd erhielten nun auch die Kostheimer Arbeiter-Samariter höhere Weihen für ihre Spezialaufgabe. Zwölf hauptamtliche und sechs ehrenamtliche Rettungssanitäter bekamen von Rettungsassistentin Michaela Schweitzer eine Einweisung in Gebrauch und Innenleben des neuen Fahrzeugs. Weitere sechs ehrenamtlich Tätige sollen in Kürze nachgeschult werden.
Der bisherige Baby-Notarztwagen dient als Ersatzfahrzeug. Der neue Sprinter mit Kastenaufbau, der Anfang des Jahres in Betrieb genommen wurde, ist mit der modernsten Technik versehen: So ermöglicht eine spezielle Luftfederung einen sanften Transport von neu- und früh geborenen Menschen auf unebenen Straßen. Wegen der hohen Geräuschempfindlichkeit der Babys wurde das Martinshorn aus ihrem Wahrnehmungsbereich genommen und im Kühlergrill platziert. In der Mitte des Notarztwagens befindet sich ein quer eingebauter Brutkasten, der mit 37 Grad genau der Körpertemperatur entspricht. Mit der Queranordnung des Inkubators soll vermieden werden, dass der Kopf des Neugeborenen während der Fahrt der Fliehkraft ausgesetzt ist. Der transportable Brutkasten kann bei geübtem Vorgehen von einer Tragevorrichtung gerollt und mit ein paar Handgriffen auch in der Stellhöhe verändert werden. Zur kompletten Intensiv-Versorgungseinheit in dem Fahrzeug gehören auch ein Beatmungsgerät und ein Überwachungsmonitor, mit dem die Vitalfunktion des Früh- und Neugeborenen während des Transports fortwährend kontrolliert werden kann. In einem Kühlschrank werden Medikamente bei einer Temperatur von sechs Grad mitgeführt.
Die Einweisung der Arbeiter-Samariter in dem Umgang mit dem Fahrzeug basierte auf den Richtlinien des Medizin-Produkte-Gesetzes, sagte Martin Schmit vom Rettungsdienst. Danach müssen die Rettungssanitäter selbst mit der Handhabung klarkommen. Neben Klinikverlegungen, bei denen auch Mainzer Krankenhäuser einbezogen würden, stünden auch Transporte in Notfällen auf dem Plan. So etwa, wenn es nach der Geburt zu Komplikationen kommt, wenn beispielsweise Fruchtwasser in die Lunge des Neugeborenen eindringt. Das Spezialfahrzeug wird durchschnittlich 250 Mal im Jahr im Gebiet zwischen Wiesbaden, Limburg, Diez und dem Rheingau-Taunus-Kreis eingesetzt. Am 20. August feiern die Arbeiter-Samariter mit Bundesministerin Kristina Köhler 30-jähriges Bestehen.

