Von Bertram Heide
NEUE VERMESSER Tiefbauamtsleiter Dr. Dieter Bohr lehrt an der FH Mainz
Sein Chef ist selbst Professor. Joachim Pös, der kommunale Planungs- und Baudezernent, hat einen Lehrauftrag an der FH Frankfurt, für die Verkehrsplanung. Sein unmittelbarer Kollege, der Leiter des Stadtplanungsamtes Thomas Metz, hat einen Lehrauftrag in Kaiserslautern.
Dr. Dieter Bohr, seit 2000 Chef des Tiefbauamtes und seit 2006 auch Chef des Vermessungsamtes, ist inzwischen der zweite "Prof." am Ersten Stadtring. Auf Vorschlag des Senates der FH Mainz, an der Bohr Studenten zu Vermessungsingenieuren ausbildet, ernannte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck den Wiesbadener Amtsleiter zum Honorarprofessor. Die Voraussetzungen für das Professoren-Amt sind hoch gesteckt. Dr. Dieter Bohr konnte allerdings nachweisen, dass er sowohl ein absoluter Fachmann in seinem Bereich ist, als auch dass er seit vielen Jahren über Erfahrungen im Bereich der Forschung und Lehre verfügt.
"Landmanagement" ist das Fach, für das Dr. Dieter Bohr in seinen wöchentlichen Vorlesungen die Studenten fit machen soll - und das sind immerhin zwischen 30 und 40 pro Semester, erzählt er im Gespräch mit dem Tagblatt. Seine Lehrtätigkeit hatte er zunächst als externer ehrenamtlicher Dozent begonnen, bevor er mit seiner ordentlichen Berufung jetzt drei Stunden pro Woche seine Vorlesungen hält.
Die Lehrtätigkeit falle in seine arbeitsfreie Zeit, erzählt Dr. Bohr. Trotzdem müsse er die Stunden nacharbeiten. "Aber das fällt mir eigentlich nicht schwer, weil ich ja auch viele Abendtermine in Wiesbaden zu erledigen habe."
Aber was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff des Landmanagements? Am Anfang steht eine Flächennutzungsplanung, der dann für bestimmte Bereiche eine Bauleitplanung folgt. "Und was die Bauleitplaner vorgeben, müssen die Vermessungsingenieure in eine realisierbare Praxis umsetzen", erklärt der Professor.
Ein Beispiel: Den Vermessungsingenieuren ist es vorbehalten, die vorgelegte Stadtplanung beispielsweise an die aktuellen Grundstücksverhältnisse vor Ort anzupassen. Das wiederum setzt Kenntnisse des aktuellen Bodenrechts voraus. Ein entsprechendes Verfahren wurde für den Kasteler Petersweg bereits im Jahr 2000 eingeleitet, ist "aber bisher noch lange nicht abgeschlossen", erklärt Dieter Bohr.
Rund um den Petersweg in Kastel gehe es heute immer noch um die Umsiedlung von Landwirten, also dabei vor allem um die Bewertung der vorhandenen Grundstücke. Aufgabe der Vermessungsingenieure sei es hier, den Wert der Grundstücke nach der seit kurzem erst gültigen Immobilienwert-Verordnung zu begutachten und einzuschätzen. Das alles muss der Professor jetzt dem Ingenieur-Nachwuchs beibringen. Und in der vorlesungsfreien Zeit ist Dr. Dieter Bohr bei den mündlichen und schriftlichen Prüfungen gefragt.
Die Lehrtätigkeit selber, die Würdigung seiner eigenen beruflichen Fähigkeiten durch die Ernennung zum Professor, das bereitet ihm Spaß und macht ihn wohl auch ein bisschen stolz. Das zumindest merkt man dem eher bescheiden auftretenden Fachmann im persönlichen Gespräch an.
Neben der Vermittlung des Fachwissens wird jetzt an der Mainzer Hochschule eine weitere Aufgabe auf den Wiesbadener Professor zukommen. Bisher galt seine Lehrtätigkeit der Ausbildung von Studenten zu Diplom-Ingenieuren im Vermessungswesen. Nach einem europaweit gültigen Abkommen soll es allerdings ab 2011 auch den Bachelor- oder Master-Abschluss in dieser Fachrichtung geben.
Da kommt also einiges an Neuem zu auf die Studenten an der Mainzer Fachhochschule, aber auch auf den Professor vom Stresemann-Ring.

