Von Olaf Streubig
Robert Reininger, langjähriger Vorsitzender der TSG Sonnenberg, wird 70
SONNENBERG. Er steht ungern im Mittelpunkt, heute kann Robert Reininger das allerdings nicht vermeiden. Der langjährige Vorsitzende der TSG Sonnenberg feiert im Kreise von Freunden und Weggefährten seinen 70. Geburtstag nach. Das Tagblatt gratuliert ihm zu seinem runden Geburtstag mit einer Flasche des beliebten WT-Weins und sagt Danke für sein vorbildliches ehrenamtliches Engagement.
"Nein, alle kenne ich nicht mehr, das sind inzwischen zu viele", sagt Robert Reininger und lächelt. Ein bisschen Stolz schwingt in seiner Stimme, schließlich zählt seine TSG Sonnenberg heute 1720 Mitglieder. Als Reininger vor 25 Jahre das Zepter übernahm, gehörten 923 Sportler dem Verein an.
Damals kannte er jedes Mitglied in der Turn- und Sportgemeinde, der er seit seiner Kindheit angehört. "Ich war kein besonderes Talent, Turnen und Leichtathletik haben mir aber viel Freude bereitet", erinnert sich Reininger an die Anfänge 1946. Fürs Bodenturnen sowie Übungen an Barren und Reck begeisterte sich der Jungspund besonders, dagegen war ihm das Pferd stets ein Graus. "Da musste die ganze Riege immer nebendran stehen, ehe ich mich über diesen alten Gaul getraut habe", erzählt Reininger schmunzelnd.
Sportlich bis heute
Sportlich ist er bis heute. Beim Deutschen Turnfest in München landete er 1998 unter den besten hundert Teilnehmern seiner Altersklasse, bei der Sportgala am Elsässer Platz zog der damalige Sportkreisvorsitzende 2003 noch die Turnschlappen an. Bis heute ist er als Übungsleiter aktiv, leitet vier Gruppen. Seit 43 Jahren fungiert er ununterbrochen als Trainer, 1965 wurde er Turnwart. Als 1983 der TSG-Vorsitzende Friedel Etz starb, rückte Robert Reininger an die Vereinsspitze.
Doch damit nicht genug. Für die Wiesbadener Turnerschaft organisierte er Wettkämpfe mit den Partnerstädten in Klagenfurt, Montreux und Görlitz. Außerdem betreute er Turngruppen aus Chile und Israel in Wiesbaden, half bei der Organisation von Landesturnfesten und dem Euroturnier der Kunstturner.
Klar, dass bei so viel Engagement auch Reiningers liebstes Hobby, das Reisen, mit dem Sport verknüpft ist. Mit TSG-Gruppen bereiste Reininger Korsika oder die Pyrenäen. "Im Elsass waren wir mal auf Freizeit und haben zum Spaß am Boden geturnt. Auf einmal hatten wir viele Zuschauer, die sogar Geld gesammelt haben", erinnert sich Reininger an besonders schöne Momente. Persönliche Höhepunkte waren eine vierwöchige Reise nach Chile mit dem Turnverband und ein Trip nach Südafrika mit Vereinsfreund Herbert Stafast. Auch allein geht Reininger gern auf Reisen, erkundete zuletzt auf eigene Faust Norwegen. "Man trifft überall spannende Leute", hat Reininger erkannt: "Auch im Vereinsleben lernt man andere Blickwinkel kennen und erweitert seinen Horizont."
Von seinem ehrenamtlichen Engagement habe er auch im Beruf profitiert. "Menschenführung und Fingerspitzengefühl sind entscheidend, nicht der Befehlston." Mit 50 Jahren besuchte Reininger noch die Verwaltungsakademie und wurde schließlich Oberregierungsrat. Als stellvertretender Amtsleiter und Leiter der Rechnungsprüfungsstelle bewies Reininger Führungsqualitäten.
"Ich wollte immer die Leute motivieren", sieht Reininger Parallelen zum Sport und der Jugendarbeit. Der Nachwuchs sei heute zwar "etwas schwieriger und viel individueller", meint Reininger, räumt aber ein: "Auch wir haben viel Blödsinn gemacht." Ein Mix aus Kameradschaft und sportlichem Ehrgeiz begeisterten ihn einst als Turner. Auch heute zähle der Leistungsgedanke, wichtiger sei aber Breitensport. "Wenn ein Kind mit schlechten motorischen Fähigkeiten es schafft, über den Schwebebalken zu balancieren und danach fröhlich strahlt, ist das mehr Erfolg, als wenn ein toller Turner einen Salto hinkriegt", findet Reininger, der zwischen 2002 bis 2008 als Vorsitzender des Sportkreises Wiesbaden fungierte.
"Sport ist unpolitisch"
Mit Beharrlichkeit und Diplomatie vertrat er auf diesem Posten die Interessen der Vereine bei der Stadt, etwa die Wünsche nach mehr Zuschüssen. "Ich war immer um guten Kontakt zu allen Fraktionen bemüht, denn Sport ist weder rot, schwarz, gelb oder grün", betont Reininger, der sich nie vor einen politischen Karren spannen ließ. Beim Landessportbund wirkte er als Revisor und Mitglied des Schiedsgerichtes. Nach Leistungsplakette der Deutschen Olympischen Gesellschaft, Ehrenbrief des Landes Hessen und Ehrennadel vom Deutschen Turnerbund, war 1999 das Bundesverdienstkreuz seine höchste Auszeichnung.
Wichtiger als diese Dekorationen sind für Reininger soziale Kontakte und nette Begegnungen: "Heute grüßen mich oft Leute irgendwo in Wiesbaden sehr freundlich. Dann grüße ich herzlich zurück, obwohl ich nicht allen Gesichtern Namen zuordnen kann. Denn mir sind so viele nette Menschen begegnet..."

