Samstag, 04. Februar 2012 10:12 Uhr
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Wiesbadener Tagblatt

Wiesbaden 

Jeder Funker hat seinen eigenen Code

21.04.2010 - WIESBADEN

Von Anja Baumgart-Pietsch

WIESBADENER AMATEUR-RADIO-CLUB Eingeschworenes Völkchen mit komplizierten Gerätschaften

DL6FCU. Eine kryptische Abkürzung für die meisten, doch Funkamateure wissen gleich, was damit gemeint ist: Eine eigene Funkercodierung, in diesem Falle von Lutz Kutscha, dem Zweiten Vorsitzenden des Wiesbadener Amateur-Radio-Clubs. So eine Art Mailadresse - aber eben für die Unterhaltung im Äther gedacht, erklärt Kutscha, denn mit diesen Buchstaben- und Zahlenfolgen lassen sich Rückschlüsse auf Heimatland und Wohnort ziehen.

Amateurfunker sind ein eingeschworenes Völkchen und meist Technik-Freaks, die sich gut mit den komplizierten Gerätschaften auskennen, die sie zur Ausübung ihres Hobbys benötigen. "So etwa zwei- bis dreitausend Euro muss man schon für eine gute Ausrüstung investieren", erklärt Klaus Jaensch, ebenfalls Vorstandsmitglied des Wiesbadener Ortsvereins. Und natürlich jede Menge Zeit, um sich einzuarbeiten, denn man darf keineswegs einfach auf eigene Faust losfunken. Dazu gehört auf jeden Fall die Prüfung zur "Amateurfunklizenz", die man beim Club erwerben kann.

Jeden Mittwochabend treffen sich die Clubmitglieder im Sportlerheim des SV Schierstein 13, um zum einen dem geselligen Beisammensein zu frönen, aber auch um zu lernen. Über eine Leiter erreicht man den Dachboden, auf dem das Ausbildungsgerät steht, mit dem Klaus Jaensch den zukünftigen Amateurfunkern alles über Frequenzen und Bänder beibringt. Der Reiz am Funken ist - neben der technischen Faszination - die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten aus aller Welt auf einfache Weise, grenzenlos in Kontakt zu treten.

Das ist jetzt zwar durch das Internet etwas überholt, denn jetzt kann man natürlich viel einfacher als früher "chatten". Aber wer ein echter Amateurfunker ist, benutzt immer noch traditionelle Geräte. Wobei diese technisch nicht veraltet sind und die Möglichkeiten der Computertechnik mitnutzen.

Die Clubmitglieder halten sich immer auf dem neuesten Stand. Nicht nur zum Thema Elektrotechnik, sondern auch über Wetterbedingungen, Geographie und anderes lerne man durch Ausübung dieses Hobbys viel dazu, betonen die Funk-Amateure. Natürlich werden auch Freundschaften geschlossen, denn man unterhält sich ja nicht immer nur rein technisch. Ein wichtiges Ziel sind für alle aber das Sammeln der sogenannten QSL-Karten. Damit wird zweifelsfrei bestätigt, dass man Funkkontakt zu einem anderen Amateurfunker aufgenommen hat - und der kann von Mainz bis Sydney überall sitzen. "Ich habe da ganze Schuhkartons voll", sagt Klaus Jaensch. Auch selbst verschickt er natürlich diese von den einzelnen Funkamateuren liebevoll gestalteten Karten. Das geschieht zentral über den Deutschen Amateur-Radio-Club.

Die Technik selbst ist noch keine hundert Jahre alt: 1923 wurden die ersten Versuchssender-Vereine gegründet. Der Wiesbadener Club besteht seit 1936. Bald waren auch viele Amerikaner Mitglied, noch heute sind zehn US-Bürger mit dabei. Dort ist das Hobby noch viel weiter verbreitet, erklärt Lutz Kutscha. "Die haben ja auch viel Platz." Denn nicht immer ist es einfach, die Antennen in dicht besiedelten Gebieten aufzustellen, weiß auch Klaus Jaensch: "Manche haben Angst wegen der Strahlung, dabei ist diese unbegründet."

Die Antennen hat jeder Funker für sich selbst - im Gegensatz zu den Handymasten, die ganze Gebiete versorgen. Und auch ganz praktischen Nutzen für die Allgemeinheit kann der Amateurfunk übrigens bekommen: Durch Notrufmöglichkeiten, die sich schnell verbreiten. "Dadurch, dass wir ohne Strom arbeiten, können wir auch in Katastrophengebieten die Kommunikation schnell aufbauen", sagt Kutscha und berichtet von Hilfsaktionen der Funkamateure bei den Erdbeben in Chile und Haiti.

Spaß haben die Amateurfunker vor allem bei ihren zwei mal jährlich stattfindenden "Field Days", bei denen sie ein Wochenende lang gemeinsam funken und feiern - immer im Juni und September, das nächste Mal findet am 5. und 6. Juni bei den Pfadfindern in Hohenstein-Born statt. Abkürzungen sind bei den Funkern an der Tagesordnung. Die Herren sprechen sich als "OM" an. Gemeint ist "Old Man". CQ ist ein allgemeiner Anruf, QSL die Bestätigung einer Verbindung , und "73" heißt "viele Grüße".

Der Wiesbadener Verein zählt über 100 Mitglieder, aber jüngere Interessenten kommen leider nicht oft genug hinzu. Sechs "Auszubildende" für die Lizenz werden derzeit betreut. "Wir freuen uns über jedes neue Mitglied", sagen die Funker. Denn natürlich findet bei "Fox20", wie der Rufname der Wiesbadener lautet, nicht nur Fachliches, sondern auch viel Geselligkeit statt.

Mit hohem technischem Standard fröhnen die Mitglieder des Wiesbadener Amateur-Radio-Clubs ihrem weltumspannenden Hobby. Fotos: privat und RMB/Heiko Kubenka


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