Von Christoph Cuntz
Mit 120 Millionen Euro steht Offenbachs Städtische Klinik bei den Banken in der Kreide, mit 53 Millionen Euro die kommunalen Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK) in Wiesbaden. Alljährlich kommen in Offenbach zwischen drei und fünf Millionen Euro Schulden neu hinzu – in Wiesbaden wächst das Defizit in einer ähnlichen Geschwindigkeit.
Auch Darmstadt?
Die beiden Krankenhäuser gehen am Stock. Gemeinsam wollen sie spurten können: Sie wollen fusionieren, um endlich wieder wirtschaftlich zu arbeiten. So hat das im Grundsatz schon das Offenbacher Stadtparlament beschlossen. Die Wiesbadener Stadtverordneten ziehen nun nach: Die Mitglieder des Gesundheitsausschusses votierten einstimmig dafür, „die Möglichkeiten einer engen Kooperation bis hin zu einer gesellschaftsrechtlichen Verbindung“ zu prüfen.
800 Betten hat die Offenbacher Klinik, rund 1 000 die in Wiesbaden. Ihre Fusion soll die defizitären städtischen Häuser zu neuem Glanz führen: HSK-Manager Holger Strehlau wirbt für das Projekt. Und hofft, dass der Zusammenschluss von HSK und dem Pendant aus Offenbach nur Auftakt ist für einen größeren Verbund, dem sich weitere kommunale Großkrankenhäuser anschließen. Darmstadt „wird mit großer Wahrscheinlichkeit der nächste Partner sein“, sagt er. Und nach der Kommunalwahl stoße womöglich Hanau hinzu.
Belegschaft muss Fusion befürworten
Das alles sei nichts Neues, aber dringend notwendig, meint Strehlau. Der Kostendruck, unter dem das Gesundheitssystem steht, hat längst schon zu Fusionen und Zusammenschlüssen auch in anderen Regionen geführt. In Hessen hätten sich gerade 30 kleinere Häuser zu einer Interessenvertretung zusammengefunden. Und in Trier fusioniere ein katholisches mit einem evangelischen Haus.
Nun also sollen sich auch die Kliniken von Offenbach und Wiesbaden vereinen, am besten unter dem Dach einer Holding. Gemeinsam ist ein Neustart geplant, der möglichst frei von Schulden ist: Die werden wohl den Gesellschaftern der einzelnen Kliniken – den Städten – übertragen. Und nur die Zins- und Tilgungslasten blieben bei den Krankenhäusern.
Geprüft muss werden, was den Schulden an Vermögenswerten gegenübersteht: Verschenkt wird nichts, auch nicht an die neue Holding. Offenbach verfügt über eine nigelnagelneue Klinik, die 140 Millionen Euro gekostet hat und am 19. März eingeweiht wird. Wiesbaden hat einen gut 30 Jahre alten Bau mit großem Investitionsbedarf. Es gilt, Gesellschafterverträge zu schmieden. Möglichst bald, drängt Strehlau. Er fürchtet, „dass wir durch die Kommunalwahl paralysiert werden“. Die soll im März kommenden Jahres stattfinden. Folgt man dem HSK-Management, befürwortet die Belegschaft die Fusion, mit der die kommunale Trägerschaft des Hauses erhalten bliebe. Strehlau sagt, die Mitarbeiter versprächen sich davon eine Entlohnung, die im Vergleich zu privaten Kliniken besser ist. Jürgen E. Schmitz, Ärztlicher Geschäftsführer der HSK, ergänzt: „Die Belegschaft sieht in der Fusion eine Sicherung der Arbeitsplätze“. Auch wenn das Haus dringend „Kosteneffekte“ brauche, werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
„Gegenseitige Befruchtung“ möglich
Schon heute zwingt der Schuldenberg, der mit ungebremster Geschwindigkeit wächst die HSK zu Einstellungsstopp sowie zur Schließung nicht optimal belegter Stationen. Auf Leistungen, deren Kosten nicht gedeckt sind, will das Krankenhaus künftig verzichten: Gemeint sind vor allem ambulante Angebote und die Aufnahme von Patienten mit durchschnittlich schweren Erkrankungen.
Das ist die eine Seite. Auf der anderen setzt der Ärztliche Direktor auf die Fusion, die Auftrieb bringen soll auch für die Medizin. Mit Offenbach und anderen Partnern sei eine „gegenseitige Befruchtung“ möglich. Was Wiesbaden hat, soll auch in Offenbach angeboten werden. Und andersrum. „In Spitzenbereichen kann man sich gegenseitig unterstützen“, meint Schmitz. So sei im Fusions-Fall tatsächlich eine Verbesserung der Versorgung zu erwarten, während gleichzeitig die fusionierten Häuser erfolgreicher mit den Krankenkassen verhandeln könnten – dank ihrer größeren Marktmacht.

