Von Christoph Cuntz
Es hört sich beim ersten Hinhören ein wenig verrückt an, dass sich in Freiburg Bürger zusammengeschlossen haben, um beim bundesweiten Energiegeschäft maßgeblich mitzumischen. Eine Genossenschaft haben sie gegründet, an der sich jeder, der mindestens 500 Euro aufbringt, beteiligen kann.
Sie heißt “Energie in Bürgerhand" und will mit der Thüga jenes Unternehmen kaufen, das an rund 100 Stadtwerken in Deutschland, darunter der Eswe Versorgung, beteiligt ist. “Eine unglaubliche Idee" nennen das die Initiatoren der Genossenschaft.
Auftakt am Samstag
Die Auftaktveranstaltung zur bundesweiten Kampagne, mit der das Projekt publik gemacht werde soll, findet am Samstag in Freiburg statt. Freiburg ist übrigens jene Stadt, die zusammen mit Wiesbaden federführend tätig ist in einer Gruppe namens Kom 9. Sie will ihrerseits rund 25 Prozent der Thüga kaufen, die derzeit noch dem Düsseldorfer Energiekonzern Eon gehört. Weitere 45 Prozent der Thüga wollen Frankfurt, Nürnberg und Hannover erwerben.
Der Wert der Thüga wird auf drei bis vier Milliarden Euro geschätzt. Angesichts dessen erscheinen jene zehn Millionen Euro, die rund 1.500 Anteilseigner bereits eingezahlt haben, ein Klacks. Aber Eckhard Tröger, Vorstand der Genossenschaft, hat das ehrgeizige Ziel, 100 Millionen Euro zu sammeln. Das entspräche immerhin dem Betrag, mit dem sich die Landeshauptstadt innerhalb der Kom 9 engagieren will.
Und Tröger hofft, dass dieses genossenschaftliche Engagement ausreicht, “um Einfluss zu nehmen auf die Art der Stromproduktion in den Kommunen". Gemeinsam solle die Idee einer ökologischen und zukunftsweisenden Energiewirtschaft" verwirklicht werden. So werde die Rendite, die auf sechs bis elf Prozent taxiert wird, ausgeschüttet und zur Förderung regenerativer Energien investiert.
“Große Chance"
Den geplanten Kauf der Thüga durch die Städte hat Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) unter die Überschrift “Rekommunalisierung" gestellt. Die Genossenschaft ihrerseits spricht von der “großen Chance zur Re-Demokratisierung der Energiewirtschaft". So will sie verhindern, dass Teile der Thüga an Konzerne wie Vattenfall fallen. Auch der dänische Konzern Dong Energy, bislang als Partner der Kommunen im Gespräch, ist nicht unbedingt erwünscht. “Wir wollen einen Weg finden, wie das die Städte alleine stemmen können", sagt Tröger.

