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Wiesbadener Tagblatt

Wiesbaden 

Frauen auf Draht

19.05.2009 - WIESBADEN

Von Anja Baumgart-Pietsch

NETZWERKE Helga Meyer betreut hilfreiche Internet-Kontaktbörse

"Frauen auf Draht" heißt die Website, die Helga Meyer betreibt. Hier finden Interessierte spannende Links, Texte, Adressen und Termine rund um Frauen, von Gesundheit über Kultur bis zu politischen Organisationen, nicht nur aus Wiesbaden.

"Das mache ich seit 1997", sagt Helga Meyer, deren Anliegen es ist, Frauen zu fördern und zu vernetzen - auch wenn sie es nicht hauptberuflich macht und nicht daran verdienen will. Der Netzwerkgedanke ist ihr insgesamt wichtig, und so macht sie auch schon seit einigen Jahren beim "Netzwerk 55plus" mit, indem sie dort unter anderem ihre Computerkenntnisse zur Verfügung stellt.

Die im Westerwald geborene, seit über 50 Jahren in Wiesbaden lebende Helga Meyer ist sicher eine der ersten Frauen gewesen, die die Chancen und Möglichkeiten der Computernutzung erkannte und für sich zu nutzen wusste. Ihre berufliche Biographie weist keine gerade Linie auf. "Aber alles hat miteinander zu tun, eins baute immer aufs andere auf", sagt die leidenschaftliche Hobbymalerin in ihrem gemütlichen Wohnzimmer im Haus in der Rüdigerstraße, das sie mit ihrer betagten Mutter und ihrem Sohn in drei separaten Wohnungen bewohnt.

Sie absolvierte zunächst eine Ausbildung als Industriekauffrau bei der Firma "Wiepa". Sie interessierte sich für die englische Sprache, lernte sie begeistert, und nahm eine Stelle bei den Amerikanern im Camp Lindsay an, um ihre Sprachkenntnisse anwenden und verfeinern zu können. Nachdem die Amerikaner abzogen waren und sie ihre Stelle verlor, "habe ich mir eben eine amerikanische Firma gesucht", erinnert sich Helga Meyer: IBM, zunächst in Stuttgart, dann in Mainz, bot ihr etwas an. Zunächst arbeitete sie als Sekretärin, doch sie entdeckte bald ein neues Interessengebiet: Die langsam aufkommende EDV, mit der sie beispielsweise in der Gehaltsabrechnung ersten Kontakt bekam.

Viele Frauen, so weiß Helga Meyer noch gut, hatten damals erst einmal Angst vor den neuen Maschinen auf dem Schreibtisch. "Aber wenn man einfach gemeinsam mit GeduldFrauen-Power und Verständnis lernte, dann ging das auch bei den meisten." Helga Meyer ließ sich zur "Betriebswirtschaftlichen Anwendungs-Informatikerin" ausbilden. "Sechs von hundert Teilnehmern dieser Fortbildung waren Frauen", sagt sie. Für deren Rechte am Arbeitsplatz hatte sie sich immer eingesetzt, auch in Details. "Als bei einer Weiterbildung Beispiele gebracht wurden, gab es neben den erfundenen Herren nur eine Frau, und die hieß ,Fräulein Schnuckelig´ und war Sekretärin", erzählt sie. Das habe sie empört, und sie habe sich beschwert. Mit Erfolg - die Unterlagen wurden geändert. Die EDV-Ausbildung machte ihr Spaß, schloss sogar ein halbes Jahr bei der amerikanischen Niederlassung der Computerfirma in Atlanta ein und bescherte Helga Meyer interessante Arbeitsfelder als Testerin neuer Programme. Nicht lange danach wurde ihr von ihrer Firma, die Arbeitsplätze abbauen wollte, eine Abfindung angeboten. Sie war erst erst 50 Jahre alt.

Die Abfindung nahm sie an - aber setzte sich keineswegs zur Ruhe. Sie gab Kurse an der Volkshochschule, die Frauen mit dem Computer vertraut machen sollten, half als eine der Ersten, Webseiten aufzubauen, hatte zeitweise eine eigene EDV-Beratungsfirma und wollte auch gerne Frauen und Frauenorganisationen helfen, ins damals noch ganz neue Internet zu kommen. Bald stand auch "Frauen auf Draht". Daneben stellt sie Bilder und Gedichte, kleine Filme und Prosa ein, die ihr gefallen - oder auch einen Link auf einen Gartenkalender. "Ich finde die Kontakte toll, die sich daraus ergeben", sagt sie. Viele der Frauen, mit denen sie zuerst per E-Mail Kontakt hatte, habe sie persönlich kennengelernt.

Jetzt hat sie noch andere Interessen und Neigungen für sich entdeckt, sagt Helga Meyer, deren Engagement beim Netzwerk 55plus beileibe nicht nur den Computertreff umfasst. Sie macht Aquafitness und besucht Malkurse. Die Möglichkeiten des Internets nutzt sie mit Begeisterung und möchte auch möglichst viele ihrer Altersgenossinnen dazu bringen, sich ebenfalls einen Computer und vielleicht sogar eine eigene Webseite zuzulegen. helfen kann sie durch ihre technischen Kenntnisse und ihre langjährigen Erfahrungen bei Schulungen in sehr kompetenter Weise.

Helga Meyer ist im wahrsten Sinn "auf Draht". Mit ihrer Webseite will sie den Netzwerkgedanken im Internet für Frauen verwirklichen.wita/Paul Müller


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