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Wiesbadener Tagblatt

Wiesbaden 

Nicht nur für Frankreich-Fans

18.03.2009 - AARBERGEN

Von Anja Baumgart-Pietsch

"Spitzbubscheune" in Aarbergen-Hausen lockt mit französischem Flair

Der Name "Spitzbub" ist immer mitgekommen, egal wo Andrea Kalter und Jean-Pierre Thouviot auftischten. In der "Spitzbubscheune" in Aarbergen-Hausen ist seit einem Jahr das gastronomische Domizil des deutsch-französischen Paares.

Mit großem Erfolg servieren sie hier Spezialitäten nicht nur aus Deutschland und Frankreich, sondern auch aus anderen Ländern: So steht Schweizer Käsefondue ebenso auf der Karte wie italienische Pasta - letzteres mittwochs, denn dann ist Pasta-Pizza-und Flammkuchen-Tag.

"Er ist halt ein Filou", sagt Andrea Kalter schmunzelnd über ihren Partner, "und Filou heißt auf Deutsch Spitzbub". Ein Lokal namens Filou habe es in Diez, wo sie herkommt, schon gegeben. "Also haben wir uns für den Spitzbub entschieden." Der ist in Aarbergen mittlerweile ein Markenname: Zunächst hatten die beiden einen Landgasthof in Michelbach, dann in Hausen an einer anderen Adresse. Gerne wollten sie nicht mehr nur Pächter bleiben, sondern Eigentümer werden.

Da bot sich die renovierungsbedürftige Scheune in der Aarstraße 18 an. "Die haben wir dann ein Jahr lang mit viel Eigeneinsatz aufgemöbelt", sagt Jean-Pierre Thouviot. Nun gehört das kleine Schmuckstück ihnen; mit Tochter Isabelle wohnen sie auch hier. Und haben viel Spaß bei der Arbeit: Thouviot wirbelt in der Küche, Andrea Kalter kümmert sich um Service und Dekoration. Mit vielen Fundstücken vom Flohmarkt, vielen Stoffen und anderen Objekten in warmen Farben hat sie eine gemütliche Gaststube eingerichtet, in der etwa 40 Gäste Platz finden. Diesen Sommer soll noch eine Terrasse dazukommen, mit Blick auf eine Voliere mit exotischen Vögeln. Und ein kleiner Raucherschuppen dient den Unverbesserlichen, die immer noch dem Laster frönen. Das Rauchverbot habe ihnen eher mehr Gäste gebracht, bilanziert Jean-Pierre Thouviot - im Gegensatz zu den Aussagen mancher Kollegen.

Aber die feine Küche des Franzosen wirkt auch tatsächlich besser ohne Qualm, das wissen wohl die Feinschmecker. Die Speisekarte in der "Spitzbubscheune" ist nicht typisch französisch. "Das können wir hier, abseits der Großstadt, nicht machen", weiß der Chef. Doch wer genau hinschaut, merkt die Einflüsse des Nachbarlandes: Da gibt es Saucen mit Dijon-Senf oder à la provencal, es gibt Schneckenpfännchen und Barbarie-Entenbrust, die sich bei den Gästen besonderer Beliebtheit erfreut. Jean-Pierre Thouviot serviert sie mit Orangen-, Preiselbeer- oder Cognacsauce. Alle Saucen werden frisch zubereitet, versichert der Koch. Weitere "Renner" in der "Spitzbubscheune" sind Rumpsteaks in vielen Variationen. Aber auch Salatfreunde kommen auf ihre Kosten. Freitags und am Wochenende gibt es zusätzlich Fisch, mittwochs die genannten italienischen und elsässischen Spezialitäten.

Und was den Küchenchef sonst noch so inspiriert, zum Beispiel Tafelspitz oder Muscheln, schreibt er auf eine Tafel, die den Gästen dann zusätzlich zur Speisekarte gezeigt wird.

Schon mit 13 Jahren, erinnert sich der mittlerweile 56 Jahre alte Franzose, der aus einer Kleinstadt südlich von Paris stammt, begann er, seinen Traumberuf Koch zu erlernen. Er gewann als Azubi sogar einen Preis - "ich sollte bei einem Scheich in einem arabischen Emirat kochen, aber ich hab mich nicht getraut", schmunzelt der charmante Küchenchef. Stattdessen entschloss er sich später, seinen kulinarischen Horizont in Europa zu erweitern. "Ich wollte ein Jahr in jedem Land arbeiten." Frankreich, Italien, die Schweiz folgten als Stationen, dann Deutschland. "Ich hatte schon den nächsten Vertrag in London, da lernte ich meine erste Frau in Wiesbaden kennen." Also blieb Jean-Pierre Thouviot in Deutschland hängen.

Sein französisches Flair, das er dem Lokal verleiht, hat viele Freunde gefunden und sich bis Wiesbaden, Idstein oder in den Rheingau herumgesprochen, auch wenn die Anreise über die Aarstraße eine Weile dauert. Der freundliche Service und das leckere Essen ziehen auch viele hier lebende Franzosen an. Im vorigen Lokal gab es regelmäßig "französische Abende" mit Buffet und Musik.

Dafür ist die "Spitzbubscheune" etwas zu klein, bedauern Andrea Kalter und Jean-Pierre Thouviot. Das heißt aber nicht, dass sie diese Abende nicht wieder einmal veranstalten möchten - an einem anderen Ort, über den sie noch nachdenken.

Ganz bestimmt wird jedoch im nächsten Jahr "15 Jahre Spitzbub" gefeiert. Und bis dahin kann man sich des öfteren der Sangeskünste des Hausherrn in spontaner Form erfreuen. Wenn er dazu Lust hat, greift Jean-Pierre Thouviot nämlich zum Mikrofon und gibt eigene Chansons zum Besten - in stimmlicher Tradition seiner Landsleute Becaud, Aznavour und Polnareff.

Andrea Kalter und Jean-Pierre Thouviot haben sich mit der "Spitzbubscheune" in Aarbergen-Hausen einen Traum erfüllt.Foto: RMB / Wolfgang Kühner


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