Donnerstag, 02. September 2010 19:00 Uhr
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Wiesbadener Tagblatt

Wiesbaden 

In Eltville wurde Roter zum Kult-Wein gemacht

16.03.2007

deg. Ein 52-jähriger Italiener aus Eltville steht im Verdacht, bei einem groß angelegten Betrug beteiligt zu sein: Preiswerter Wein wurde zu teurem italienischen Spitzenwein umfrisiert. In einem angemieteten Lager in Eltville fand die Polizei reichlich Beweismaterial. Die Polizei in Mannheim hört mit, als der 52-Jährige, ein Gastronom, der auch mit Weinen handelt, am Telefon mit einem jüngeren Landsmann über eine neue Lieferung plaudert. Die beiden Männer hatten immer wieder Kontakt. Zirka 8 000 Flaschen seien geliefert, und zwar an eine Adresse in Eltville, hörten die Ermittler. Dort hatten die Fälscher einen Keller gemietet. Am 28. Februar, eine Woche nach dem Hinweis aus Mannheim, schlägt die Polizei zu. Sie durchsucht die Wohnung des Eltvillers, wo Unterlagen und Computer mitgenommen werden, sowie den besagten Keller. Dort stoßen die Beamten auf mehrere hundert Flaschen Wein, den Restbestand der Lieferung. Sichergestellt werden zudem eine Korkmaschine, Etikettenrohlinge, eine Stanzmaschine und reichlich Verpackungsmaterial: Zum einen einfache Pappkartons, in denen der preiswerte Wein angeliefert worden war, zum anderen Holzkisten, denn der "Edelwein" sollte auch in der Verpackung stimmig sein, wenn er die Umfüllstation mit neuem Etikett verlässt. Der sichergestellte italienische Ausgangs-Wein wurde nach Angaben der Polizei zur Analyse nach Italien geschickt. Die Ergebnisse, um welchen Ausgangswein es sich handelt, stehen noch aus. Etiketten belegen, dass in Eltville auch der begehrte "Bricco dell´ Uccellone" produziert wurde. Die Ermittlungen hatten ihren Anfang in Hamburg, dort ermittelte im Dezember 2005 zunächst die Wasserschutzpolizei. Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine anonyme Anzeige, dort war von gefälschten Weinen in einem Hafen-Restaurant die Rede. Dutzende italienischer Gastronomen, auch so genannte Promi-Wirte, hatten sich der angeblichen Schnäppchen bedient, wie sich schnell zeigte. In Hamburg waren allein mehr als 3 000 Flaschen "Bricco dell´Uccellone", Jahrgang 2001, des renommierten piemontesischen Weingutes Braida abgesetzt worden, und das, obwohl die Bestände des Jahrgangs 2001 als erschöpft galten. Tatsächlich war aber in den Flaschen ein schlichter Landwein aus Süditalien, für geschätzte fünf Euro. Und nicht der Spitzenwein Barbera. Die Gäste hatten - nichts ahnend - locker pro Flasche das 15-bis 20-fache des tatsächlichen Wertes bezahlt. Die Gastronomen hatten das vermeintliche Schnäppchen für 20 Euro pro Flasche erstanden, statt der gemeinhin üblichen 35 Euro beim Großhändler. Die Polizei geht von einem europaweiten Netzwerk aus. Die Umfüll- und Fälscherwerkstatt im Rheingau und der Verkauf in Hamburg seien Teil eines groß angelegten Betruges, dessen Spur nach Alessandria, im Nordosten der italienischen Region Piemont führen. Die Ermittlungen der italienischen Polizei ergaben, dass hinter der Weinfälschung eine kriminelle Vereinigung steckt. Bisher seien den Behörden 14 Beteiligte bekannt. Sie hätten verschiedene Tafelweine aufgekauft, frisiert und in europäischen Ländern abgesetzt.


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