Mittwoch, 08. September 2010 15:35 Uhr
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Wiesbadener Tagblatt

Wiesbaden 

Roter Faden der Religionen

01.11.2007

Eigentlich ist Marek Engel Veranstaltungskaufmann. Privat hat es sich der 37-jährige jedoch zur Aufgabe gemacht, Angehörige verschiedener Religionen zusammen zu bringen. Der Grund: Nach seiner Überzeugung vermitteln viele Glaubensrichtungen ähnliche Botschaften - es gilt, diese zu entdecken und darüber zu sprechen.

Die Texte welcher Religionen und Glaubensrichtungen stellen Sie vor? Engel: Ich habe eine große Datenbank, nutze das Internet und private Kontakte, um Texte aus dem Alten und Neuen Testament, dem Buddhismus, Hinduismus, der Bhagavad-Gita, den Schriften des Bab, der Bahai, Thora und dem Koran zur Lesung vorzubereiten. Welche Prinzipien und Inhalte haben diese gemeinsam? Engel: Die monotheistischen Religionen glauben alle an einen Gott, die anderen sehen in allem eine Einheit in Vielfalt. Man kann sich das vielleicht wie ein Feld vorstellen. Bei den Monotheisten gibt es auf dem Feld nur Raps, auf den Feldern der anderen natürliche Blumenwiesen. Was ist das Ziel Ihrer Veranstaltungen? Engel: Wir wollen religiöse Texte gegenüberstellen, gemeinsam lesen, besprechen und vergleichen. Auf diesem Weg soll der Rote Faden zwischen den Religionen gefunden werden und nicht das, was uns trennt. Seit wann organisieren Sie diese Treffen? Engel: Seit April diesen Jahres. Der Verein Kubis überlässt uns hierfür jeden Donnerstag ab 19 Uhr seine Räume in der Wellritzstraße. Das ist mitten im Wiesbadener Westend. Wie gut sind die Termine besucht? Engel: Die Zahl der Teilnehmer schwankt etwas. Mal kommen fünf Leute, in der Woche darauf nur zwei, dann wieder zehn oder mehr. Nicht alle gehören einer Religion an - auch Atheisten sind manchmal dabei. Welcher Konfession gehören Sie an? Engel: Ich bin Bahai. Wir glauben an die Einheit aller Dinge und an denselben Gott, an den auch die Monotheisten glauben. Aufgewachsen bin ich allerdings atheistisch. Während eines längeren Karibik-Aufenthalts habe ich Gott entdeckt, und durch eine Bekannte die Bahai-Schriften kennen gelernt. Haben Sie eine religiöse oder kirchliche Ausbildung absolviert? Engel: Nein. Die Bahai haben keine Priesterschaft, wie man es von den Kirchen kennt, sondern nur Räte. Eine Ausbildung gibt es daher nicht. Was wird das Thema der nächsten Veranstaltung sein? Engel: Es wird um das Schicksal gehen. Zunächst werden wir uns über den Begriff des Schicksals unterhalten. Hier kann jeder seine persönliche Meinung sagen oder Beispiele nennen. Danach werden wir religiöse Texte über das Schicksal aus dem Alten Testament, Bahai, Buddhismus und Koran lesen. Ich hoffe, die Frage hat nichts Wichtiges vorweggenommen? Engel: Nein, gar nicht. Die Texte geben sehr viel her. Eine Rest-Spannung ist absolut vorhanden. Das Interview führte Thorsten Glesmer


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