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Wiesbadener Tagblatt

Wiesbaden 

Gewalttäter soll nun in die Psychiatrie

22.01.2009 - WIESBADEN

Von Manfred Knispel

Nach zwei erfolglosen Versuchen stellt Staatsanwalt erneuten Antrag / 90-Jährige als Opfer

WIESBADEN. Bereits zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren versucht die Staatsanwaltschaft mit einem entsprechenden Antrag beim Landgericht, einen heute 34-jährigen Mann wegen psychisch bedingten aggressiven Verhaltens in eine Klinik einweisen zu lassen. Diesmal attackierte er eine 90-Jährige. Gestern begann der Prozess.

Im Jahr 1999 hatte die Staatsanwaltschaft erstmals versucht, den türkischen Staatsbürger dauerhaft in eine Klinik einweisen zu lassen. Immer wieder war der durch Gewalttaten aufgefallen. Der Antrag beim Landgericht blieb allerdings erfolglos, die Kammer lehnte eine Einweisung ab.

Drei Jahre später verfügten die Richter zwar eine Einweisung, setzten diese aber zur Bewährung aus. Insgesamt neun gewalttätige Übergriffe waren dem Beschuldigten vorgeworfen worden.

Bereits damals waren sich die Mediziner einig, dass der Türke eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Im Gegensatz zu dem vom Gericht bestellten Sachverständigen glaubten die behandelnden Ärzte indes, dass er seine Krankheit - eine aggressiv machende Form der Schizophrenie verbunden mit einer Cannabis-Sucht - durch regelmäßige Medikamenteneinahme in den Griff bekommen könnte. Immerhin: Er hielt die Bewährungsfrist durch. Doch im vergangenen Jahr wurden in der Innenstadt gleich mehrere Menschen zu seinen Opfern.

Im Mai traf es zunächst einen städtischen Hilfspolizisten. Der hatte den auf einer Bank am Platz der deutschen Einheit schlafenden Mann aufzuwecken versucht. Dafür war er zunächst übel beschimpft worden. "Als ich bereits weggehen wollte, erhielt ich von hinten ohne Vorwarnung einen Faustschlag", erinnert sich der Hipo, Erst mit Hilfe von Pfefferspray sei er wieder Herr der Lage geworden. Die Polizei kannte den Täter bereits: Der hatte kurz vorher bei einem anderen Vorfall eine Beamtin mit derben Bemerkungen beleidigt.

Während der Hilfspolizist glimpflich davonkam ("Die Beule hielt gut zwei Wochen"), traf es wenige Wochen später an der Bushaltestelle am Luisenforum eine 90-Jährige weit schlimmer. Ihr hatte der 34-Jährige den Gehstock weggerissen und sie umgestoßen. Einem jungen Mann, der ihn bis in einen Bus verfolgte, verabreichte er einen Schlag ins Gesicht. Dessen Freundin musste das mit ansehen, während sie draußen der 90-Jährigen half. "Der war wahnsinnig aggressiv", erinnerte sie sich. Dann sei er "seelenruhig weggegangen". Die Zeugin: "Von Null auf 180 und zurück." Die 90-Jährige, die einen Oberschenkelhalsbruch erlitten hatte, kam gestern nicht ins Gericht. "Sie kann jetzt nicht mehr aus der Wohnung", berichtete die Tochter: "Dieser Mensch hat den Rest ihres Lebens ruiniert."

Gefasst wurde der Mann durch einen Zufall. In der Rheinstraße hatte er eine 32-jährige Frau am helllichten Tag belästigt und ins Gesicht geschlagen. Die Zeugin berichtete, wie sie ihn drei Tage später in der Kirchgasse wiedererkannte und die Polizei rief. Sie erzählte aber auch, dass sie noch immer unter den Folgen leide: "Ich habe nun Angst, wenn jemand hinter mir läuft."

Der Beschuldigte, der in der Gefängnisklinik Haina sitzt, schwieg gestern. Entscheidend wird nun das psychiatrische Gutachten sein. Der Prozess geht am 5. Februar weiter.


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