Sonntag, 12. Februar 2012 06:36 Uhr
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Wiesbadener Tagblatt

Wiesbaden 

Schräger Sakropop

18.12.2007

Von Andrea Springer

Frank Apunkt Schneider in Galerie esc-space

Das "Schräge" an sich und dass man es in seiner Schräglage gegen die ihm innewohnende Intention lesen kann, faszinieren den Gast aus Bamberg. Als Außenposten der Wiener Künstlergruppe monochrom widmet sich Frank Apunkt Schneider mit ernster Miene und süffisantem Unterton der Musikform, die zahllose "Widersprüche zwischen religiösem Dogmatismus und popkulturellem Freiheitsversprechen in sich aufgenommen", aber nicht zur Vollendung gebracht hat: Sakropop. Jugendlicher Leichtsinn muss ihn getrieben haben, als er seine Sammlung begann. Zum überwiegenden Teil noch ungehörte Pretiosen, auf Flohmärkten ergattert, hat Frank Apunkt Schneider der "Gemeinde", die sich in der Galerie esc-space in der Emanuel-Geibel-Straße 12 / Ecke Herderstraße zusammen gefunden hat, zur Unterfütterung seines Vortrags "Als die "Welt noch unterging" mitgebracht. Während noch im Nachkriegsdeutschland "Gott umfassend abgemeldet" war, zückten eifrige Jünger unverdrossen die Klampfe und stimmten ihr popseliges Liedchen gegen diese uncharmante Behauptung an. Mittels dieser neuen "Kirchenmusik mit Stilmitteln moderner Popularmusik" sollte der Nachwuchs, welcher der Kirche wegschmolz, wie die Polkappen, wieder ins Kirchenschiff gelockt werden. Brüder und Schwestern im Geiste, wie Pater Paul Gerhard, aus dessen Munde "es alle Welt erfahren" sollte, erhoben ihr Stimmchen und pressten die dabei heraus gequetschten Vinylscheiben in poppig bunte Hüllen. Hernach sollten die Infiltrate ihre Odyssee auf den Flohmärkten der Welt antreten, bis dass sie Apunkt fand, discografierte und zum Vortrage verband. Stampfend frohlockt es in von schwerer Sinnhaftigkeit getriebenen Texten - unter anderem von Alois Albrecht verbrochen, der freilich heute als Bamberger Domvikar nichts mehr von seinen Jugendsünden wissen will. "Uncool", so Apunkt, weil auf das zutiefst Menschliche verzichtend - der Körperlichkeit entsagend - fehlt dem Sakropop jegliche Authentizität. Nachdem Metanoia mit seinem Gott im move des Reggae "über Mauern springen" konnte, erlöst Apunkt das der Ironie der Sache folgende Publikum in die Stille der Nacht. Für einen kurzen Augenblick meint man die Engel singen zu hören. Doch es ist "nur" Hundegebell.


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