Von Tilmann Ziegenhain
Gut besuchte Info- und Diskussionsveranstaltung zum Klimawandel
Der Arbeitskreis Umwelt Wiesbaden, die Klimagruppe Mainz / Wiesbaden und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen veranstalteten einen Informationsabend zum Klimawandel im Café Klatsch. im Wiesbadener Rheingauviertel. Zahlreiche Besucher verfolgten den Vortrag von Geophysiker und Journalist Wolfgang Pomrehn.
Die gute Nachricht zuerst: Selbst die schlimmsten Prognosen gehen nicht davon aus, dass der Klimawandel das nahe Ende der Menschheit bedeutet, allerdings, so Referent Pomrehn, kämen "außergewöhnliche Zeiten" auf uns alle zu, sollte in der Umweltpolitik nicht zeitnah eine radikale Kehrtwende vollzogen werden. Die Stühle im Café Klatsch waren allesamt besetzt, als Wolfgang Pomrehn in einem zweistündigen Vortrag mit Power-Point-Präsentation die wesentlichen Forschungsergebnisse zum stattfindenden Klimawandel vortrug. Pomrehn gelang es, sein physikalisches Wissen zum Thema auch dem Laien verständlich rüberzubringen. Zunächst standen dabei grundsätzliche Informationen zum Klima im Vordergrund: Was ist eigentlich CO2 , und warum kann es schädlich sein? Laut Pomrehn ist das Treibhausgas Nummer eins nicht per se gefährlich: Ohne CO2 in der Atmosphäre wäre die Temperatur auf unserem Planeten rund 30 Grad kälter. Schwankungen der Konzentration dieses Gases in der Atmosphäre habe es im Laufe der Geschichte ebenso gegeben, wie größere Temperaturveränderungen auf der Erde. Allerdings hat der Ausstoß dieses Gases seit Beginn der Industrialisierung Anfang des 19. Jahrhunderts drastisch zugenommen, wodurch der Mensch "an empfindlichen Rädchen des Klimagleichgewichts dreht", so Pomrehn. CO2 entsteht, wann immer fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Benzin verbrannt werden. Die Probleme, die daraus entstehen, sind dabei weitaus tiefgreifender als eine reine Erwärmung des Klimas, denn die verursacht in Folge eine Reihe weiterer Veränderungen des Wetters, auf die unsere Gesellschaft nicht vorbereitet ist. Eine Folge dieser Erwärmung wird sein, dass das Eis an den Polen schneller und schneller schmelzen wird. Das weit verbreitete Missverständnis, dass durch das Schmelzen der Pole der Wasserspiegel der Meeresspiegel steigen würde, entkräftete der Referent mit einem anschaulichen Beispiel: Wenn in einem Glas mit Cola der Eiswürfel schmilzt, läuft das Glas auch nicht über. Dies hat mit den physikalischen Eigenschaften von Wasser zu tun: Der schwimmende Eiswürfel verdrängt gerade so viel Wasser, wie er auch im flüssigen Zustand dem Pegel hinzufügen würde. Übertragen auf die Pole gilt das Gleiche. Dies bedeutet laut Pomrehn allerdings keine Entwarnung, denn weitaus gefährlicher ist das schmelzende Eis in Grönland, das auf der Erde liegt und somit wirklich den Meeresspiegel anheben wird. Ein zusätzlicher Effekt ist, dass das grellweiße Eis einen Großteil der Sonnenstrahlen reflektiert und ins Weltall zurückwirft. Ist es nicht mehr da, kann die Hitze ungehindert die Erde weiter erwärmen. Sollte das Eis schmelzen, würde der Wasserpegel des Meeres rund sechs Meter steigen. Wie Pomrehn ausführte, wären die Folgen fatal, vor allem für die armen Länder. Bereits heute liegen Teile der Niederlande unter dem Meeresspiegel und werden allein durch Dämme geschützt, deren Instandsetzung und Verstärkung Unsummen von Geld kosten würde. Gerade ärmere Länder, in denen die Küstengebiete genauso dicht besiedelt sind, hätten kaum die finanziellen Ressourcen, um eine derartige Küstensicherung durchzuführen. Die Folgen des Klimawandels treffen also vor allem die Länder, die am wenigsten dafür verantwortlich seien: Die Länder der OECD produzieren die Hälfte aller Treibhausgase, aber nur 20 Prozent der Weltbevölkerung leben in den westlichen Industrienationen. Selbst China, gegenwärtig im Rahmen der olympischen Spiele wieder im Fokus, produziert pro Kopf nur fünf Tonnen CO2 im Jahr, während es in Deutschland zwölf Tonnen pro Einwohner sind. Es wäre keine Café-Klatsch-Veranstaltung gewesen, wenn dem Vortrag und der Diskussion nicht die Formulierung konkreter Forderungen an die Politik gefolgt wäre. Die Alternativen sind bekannt: Langfristig, so Pomrehn, müsste die Energiewirtschaft auf erneuerbare Energien setzen, denn selbst Uran, das in Atomkraftwerken die Energie liefert, ist nicht unendlich zu haben. Wind, Sonne und Wasser hingegen schon. Dass sich diese regenerativen Energien auch wirtschaftlich lohnen, zeigte die letzte Folie der Präsentation: Die Zahl der Arbeitsplätze in Forschung und Produktion alternativer Energiequellen wächst und wächst. Wichtig, so die Veranstalter und der Referent am Ende, sei es, vor Ort aktiv zu werden: Zum einen indem der eigene Energieverbrauch umweltgerecht optimiert werde, zum anderen, indem Forderungen und Proteste an die Politik formuliert würden. Das geplante Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue ist nach einhelliger Meinung der Veranstalter und Gäste das falsche Signal für die Zukunft und müsse verhindert werden. Das Motto des Abends ist auch Titel des Buches von Wolfgang Pomrehn, das Interessierten weitere Informationen liefert: Wolfgang Pomrehn: Heiße Zeiten. Wie der Klimawandel gestoppt werden kann. Köln, 2007.

