Ständige Verfolgung
12.01.2011 - WIESBADEN
AUSSTELLUNG Schicksale von Sinti und Roma
(mf). Aus Hessen sind 700 Sinti und Roma allein im Lager Auschwitz umgekommen. Dass die Verfolgung der Minderheit und der „Antiziganismus“ der Bevölkerung lange vor den Nazis angefangen haben, zeigt die Ausstellung „Hornhaut auf der Seele“, die bis 31. Januar im Foyer des hessischen Landtags zu sehen ist.
Die Ausgrenzung der sogenannten Zigeuner begann schon mit ihrem ersten Auftauchen, sagte Ausstellungsmacher Udo Engbring-Romang bei der Eröffnung. 1417 sind Sinti und Roma in Frankfurt bezeugt. Die obrigkeitliche Verfolgung in den hessischen Territorien reichte von Brandmarkung bis etwa zur Massenhinrichtung in Gießen 1726. In der Bevölkerung schwankte das Bild zwischen Romantisierung („Der Zigeunerbaron“) und Dämonisierung der als frei und wild empfundenen Fremden.
Die Nazis perfektionierten die Verfolgung bis hin zur Ermordung. Die etwa 7 000 heute in Hessen lebenden Sinti und Roma sind seit wenigen Jahren als nationale Minderheit anerkannt. Die Vorurteile sind geblieben. In den Lehrplänen der hessischen Schulen komme sein Volk praktisch nicht vor, beklagte der Vorsitzende des Landesverbands, Adam Strauß, im Landtag.

