Zum Kaffee spielt der Pianist
11.01.2011 - WIESBADEN
Von Rajko Dikmann
AUSZEICHNUNG Land vergibt „Grünen Haken“ an Seniorenstift Dr. Drexler
„Das Entscheidende ist nicht, dass man alt wird, sondern wie man alt wird“, befindet Stefan Grüttner auf der Feier im Seniorenstift Dr. Drexler, das als 100. Altenheim in Hessen mit dem „Grünen Haken“ ausgezeichnet wird. Als wichtige Entscheidungshilfe bei der Wahl eines geeigneten Altenheims sei der „Grüne Haken“ ein verlässliches Siegel für Transparenz und hohe Lebensqualität in den Institutionen, so der hessische Sozialminister.
Die Auszeichnung ist Teil des Projekts der Bundesinteressenvertretung der Nutzer von Wohn- und Betreuungseinrichtungen im Alter und bei Behinderung (BIVA). 121 Indikatoren aus den Bereichen Autonomie, Teilhabe und Menschenwürde werden durch einen unabhängigen Gutachter geprüft.
Erreicht eine Einrichtung in jedem Bereich mindestens 80 Prozent der Anforderungen, erhält sie den „Grünen Haken“ als Siegel dafür, dass Bewohner individuell definierte Lebensqualität erfahren können. „Zusätzlich nehmen wir die Auszeichnung in das Heimverzeichnis im Internet auf, anhand dem sich Heimsuchende noch schneller orientieren können“, so BIVA-Geschäftsführerin Katrin Markus. Die Internetpräsenz, vom Bundesverbraucherministerium mit 1,5 Millionen Euro finanziert, bietet so erstmals eine adäquate Orientierungshilfe auf der Suche nach einem geeigneten Heim, da neben den Platzangeboten und Preisen auch Daten zur Lebensqualität aus Verbrauchersicht abgerufen werden können. Bezogen auf das Haus Dr. Drexler befindet Markus: „Hier finden sie Lebensbedingungen vor, die es ihnen möglich machen, sich wie zuhause zu fühlen.“ Den Wohlfühl-Anspruch erweitert Klaus Thamm, Eigentümer des Hauses: „Auch die Angehörigen sollen gerne kommen und sich wohlfühlen. Das untermauert auch unser Hotelcharakter.“
Tatsächlich wirkt das Seniorenstift eher wie eine Fünf-Sterne-Luxus-Residenz: Ein Pianist spielt zu Kaffee und Kuchen, die Luft riecht warm und rein.
Mit der Endnote 1,2 bestätigt der Test den Eindruck: deutlich besser als der Landesschnitt. Doch generell liegt Hessen in Bezug auf Datenveröffentlichungen und unabhängige Tests der Altenheime über dem bundesweiten Schnitt: Von 747 Einrichtungen der stationären Langzeitpflege sind bislang 566 Heime mit ihren Kontaktdaten erfasst und Strukturdaten von 123 Einrichtungen abrufbar.
Sich auf dem Lob und der Auszeichnung ausruhen wolle man jedoch nicht, verspricht Eigentümer Thamm: „Wir setzen keinen Haken unter die Sache und stellen uns mit Vergnügen der nächsten Überprüfung in einem Jahr.“

