Eltern starten einmaliges Projekt
18.12.2010 - WIESBADEN
Von Bertram Heide
DILTHEYSCHULE Förderverein finanziert mit Darlehen neue Klassenräume und Mensa
Mit heißen Nadeln gestrickt, aber trotzdem gelungen. An der Diltheyschule startet demnächst ein einmaliges Projekt, das inzwischen von Rathaus-Politikern bereits als „gutes Beispiel für wahren Bürgersinn“ hoch gelobt wird.
Bisher hatte die Kommune geplant, für 321 000 Euro mehrere Container an der Diltheyschule aufzustellen, um den Unterricht der Doppeljahrgänge G8/G9 des Gymnasiums und des benachbarten Leibniz-Gymnasiums ab dem Schuljahr 2011/2012 sicherzustellen. Jetzt kommt eine große Lösung, von der das Schuldezernat eigentlich nur hatte träumen können.
Am Dienstagabend trafen sich in kleiner Runde Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller und Schuldezernentin Rose-Lore Scholz mit dem Förderverein der Diltheyschule, der einen überraschenden Vorschlag zu unterbreiten hatte. Tenor: Wenn die Kommune auf die Container verzichtet, wird der Förderverein ein Darlehen über rund 840 000 Euro aufnehmen, um damit den Bau eines Gebäudes mit acht Klassenräumen maßgeblich mitzufinanzieren. Das Gebäude selbst soll zum Schuljahr 2013/14 zu einer Mensa umgebaut werden. Die Gesamtkosten für den Neubau werden nach Schätzungen der federführenden Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) auf 1,16 Millionen Euro geschätzt. Der Förderverein übernimmt auch die Finanzierung der Zinsen des Darlehens, bis die Kommune mit dem Haushalt 2012/13 das Geld zurückzahlt. Die Stadt wiederum sichert das Darlehen der Eltern mit einer Bürgschaft ab. Um die Bürgschaft leisten zu können, benötigt die Kämmerei allerdings eine Genehmigung der kommunalen Aufsichtsbehörde.
Elternvertretung und Schulleitung der Diltheyschule konnten bereits einen Entwurf des neuen Gebäudes vorlegen, das im Passivhausstil errichtet werden soll. Dieser Entwurf wurde von der SEG positiv geprüft, sodass ein Gesamtkostenrahmen entwickelt werden konnte.
Jetzt drängte die Zeit. Am Mittwoch wurde im Schuldezernat eine Beschlussvorlage für den Magistrat erstellt. Am Donnerstag begrüßten die Stadträte das Projekt von Förderverein und Schulleitung „mit großer Mehrheit und bei zwei Enthaltungen“, wie Schuldezernentin Rose-Lore Scholz erzählte. Und am Nachmittag wurde den völlig überraschten Schul- und Finanzpolitikern die Vorlage zur Abstimmung präsentiert. Die Reaktionen waren zunächst sehr unterschiedlich.
„So etwas habe ich das erste Mal erlebt“, lobte der Vorsitzende des Finanzausschusses Dieter Horschler (SPD) den Vorstoß des Fördervereins als „ein Beispiel wahren Bürgersinns“. Der CDU-Finanzpolitiker Torsten Tollebeek sah hingegen wegen der Kürze der Beratungszeit bereits „die parlamentarische Demokratie ausgehebelt“, wollte den Beschluss über das einmalige Projekt lieber zwecks genauer Prüfung der Unterlagen auf den Februar verschoben sehen.
„Ich sehe die Dringlichkeit des Ganzen nicht“, kritisierte Tollebeek, würdigte aber gleichzeitig das „vorbildliche Engagement“. Allerdings könnten die Stadtverordneten nicht so einfach mehr als eine Million Euro ausgeben, ohne darüber intensiv beraten zu haben. „Es ist ein Punkt erreicht, da muss man jetzt innehalten“, mahnte der CDU-Stadtverordnete.

