Wie es hätte sein müssen...
13.12.2010 - WIESBADEN
Von Charlotte Wiedl
ERZÄHLCAFè Der Musiker Helmut May erfüllt sich im Ruhestand den Traum vom Schreiben
„Meine Musik ist immer auch ein bisschen literarisch. Und wenn ich schreibe, dann bin ich immer auch irgendwie Musiker“, beschreibt Helmut May seine Arbeit als Musiker und Schriftsteller. In der Reihe „Erzählcafé“ im Volkshochschul-Bistro „Leib & Seele“ erzählt der 81-Jährige am Samstagabend vor rund 25 Zuhörern anekdotenreich, wie er zum Geiger und Musiklehrer wurde und sich im Alter doch noch seinen Jugendtraum erfüllte: Bücher schreiben. „Mein Leben verdichtet sich zu Romanen“, beginnt May seinen Vortrag.
Sein Violin- und Kompositionsstudium begann der gebürtige Wiesbadener in der Nachkriegszeit als, um es in seinen Worten auszudrücken, „blutigster Anfänger“, ohne zuvor auch nur einmal Geige gespielt zu haben. Wie alt er da gewesen sei, so die erstaunte Nachfrage einer Zuhörerin an den ehemaligen Konzertmeister des „Wiesbadener Kammerorchesters: „16“, so May. Deswegen stoße er manchmal beim Musizieren auch an seine Grenzen.
Nach seinem Studium arbeitete May als Musikredakteur im Lektorat des Schott-Verlages in Mainz. Um an „vorderster Front“ vermitteln zu können, wurde er dann 1973 Fachlehrer für Musik am „Gymnasium Mosbacher Berg.“ „Von meinen Schülern habe ich gelernt, dass heute kaum noch jemand eine solche Verbindung zur Musik, zum Beispiel von Mozart, hat wie früher“, erinnert sich May.
Mit seinen Romanen und Erzählungen wolle May das, was der heutigen Gesellschaft verloren gegangen sei, vermitteln. „Die Medien bringen viel Unterhaltung, auch viel gute, aber doch wenig direkt Geistiges“, beklagt der Geiger.
Seine Bücher sind keine Erinnerungsbücher. May verbindet Erlebtes mit Gedachtem zu einer Geschichte. „Es wird berichtet, wie es war, wie es hätte sein können oder sein müssen.“ May liest seinen Zuhörern, darunter auch einige alte Klassenkameraden und ehemalige Lehrerkollegen, passagenweise aus seinem Buch „Die Burg“ vor. Es erzählt von seiner Kindheit in Kriegszeiten, oder wie sie hätte sein können, in Wiesbaden, wo er in der alten Kronbrauerei an der Sonnenberger Straße lebte.
Nach zwei Stunden muss Waltraut Ackermann, ehrenamtliche Mitbegründerin des Erzählcafés, den Autor dann doch unterbrechen. „Sie erzählen nicht zu lang, Sie haben nur einfach zu viel zu erzählen“, lacht Waltraud Ackermann und ermuntert May, wiederzukommen. Er ist eben ein „Geschichtenerzähler“, wie er sich selbst nennt.

