Umweltpolitische Radtour mit Hilfsmotor
05.10.2010 - WIESBADEN
Von Michael Meinert
LANDSCHAFTSSCHUTZ Von teurer Bodensanierung und sparsamen Schafen
Uralte Bäume, sanfte Rheinauen, nützliche Schafe - verschiedene Umwelt- und Landschaftsschutzprojekte der Stadt Wiesbaden waren die Ziele einer Fahrradtour, zu der Umweltdezernentin Rita Thies eingeladen hatte. Besonderer Clou: Die Teilnehmer mussten sich nicht auf normalen Rädern abstrampeln, sondern waren während der mehr als 30 Kilometer auf komfortablen Movelo-Elektrofahrrädern unterwegs.
An den verschiedenen Stationen der vom Radexperten und Movelo-Mitarbeiter Hubert Erndt geleiteten Tour, die vor dem Kurhaus begann, standen Mitarbeiter des Umweltamtes zu Informationen bereit. Zunächst ging es auf Schleichwegen nach Kastel zu einem Spielplatz an der Wohnsiedlung Helling. Wo sich heute eine Grünfläche erstreckt, war in den 70er Jahren ein Mineralöllager. Der Boden dort war belastet, allerdings nicht so sehr mit Öl, sondern mit Arsen und Blei, wie Andreas Hohmeister vom Umweltamt erläuterte. Die Schadstoffe waren auf das Areal gekommen, als man das Tanklager abriss und den Boden auffüllte. Im vergangenen Jahr wurde der Boden saniert: 9000 Tonnen Material wurden entfernt und je nach Belastungsgrad auf verschiedenen Deponien entsorgt. Kosten: 500 000 Euro.
Weiter ging‘s: am Rhein entlang, zum Schiersteiner Hafen und auf die Bismarksaue. Dort verändert sich ganz allmählich die Landschaft, oder besser, sie wird verändert. Wo früher vor allem riesige Brombeerhecken und Brennnesselfelder wuchsen, gibt es jetzt wieder Wiesen, Gebüsch und Bäume.
Die Stadt Wiesbaden hat aus Mitteln der Ausgleichsabgabe weite Teile der Halbinsel gekauft, erläuterten die für Natur- und Landschaftspflege zuständigen Umweltamtsmitarbeiter Magnus Rabbe und Rolf Hussing. Es wird versucht, die ursprüngliche, für ein Flussufer typische Landschaft wiederherzustellen. Allerdings nicht, indem alles vollständig gerodet und dann neu bepflanzt wird, sondern sukzessive. Zwar wurden die Brombeeren (und jede Menge darin verborgener Müll) entfernt, unpassende Bäume sollen aber erst dann durch typische Gehölze ersetzt werden, wenn sie ohnehin am Ende ihrer Lebenszeit sind. „Neue Tier- und Pflanzenarten“, versichert Hussing, „kommen durch die behutsamen Pflegemaßnahmen ganz von allein.“
Zum Abschluss der Tour stellten die Mitarbeiter des Umweltamtes im Bereich Frauenstein noch zwei Projekte vor, bei denen Stadt und Privatleute im Rahmen des Vertragsnaturschutzes Hand in Hand arbeiten.
An der Grorother Mühle betreibt die Familie Schwaab eine naturschonende Nebenerwerbslandwirtschaft und hält ein knappes Dutzend Pustertalrinder. Außerdem wachsen hier elf Speierlingbäume, die vor 200 Jahren gepflanzt wurden und die als Naturdenkmale ausgewiesen sind. Auf den nicht gedüngten Wiesen des Grorother Tals ist laut Hussing gut ein Viertel der in Deutschland vorkommenden 2000 Pflanzenarten zu finden, viel mehr als bei intensiver Bewirtschaftung. Und oben auf dem Freudenberg sorgen von der Familie Gunkel betreute Schafe und Ziegen dafür, dass das Gras der Wiesen kurz bleibt. Auch dafür gibt die Stadt Geld, aber dennoch spart sie: Als noch gemäht wurde, waren die Kosten doppelt so hoch.

