Feiern „nach unserer Vorstellung“
09.09.2010 - WIESBADEN
Von Marcel Pauly
YOUTH CULTURE 65XXX Erstes Wiesbadener Jugendkulturfestival / Marcella Melien zu den Vorbereitungen
Wie wollt ihr feiern? Marcella Melien und 15 weitere Schüler sollten eine Antwort auf diese Frage finden. Das war in den Osterferien. Das Amt für Soziale Arbeit hatte zum Planungstreffen geladen, um ein Jugendkulturfestival auf die Beine zu stellen, das von Jugendlichen selbst gestaltet wird. Herausgekommen ist das „Youth Culture 65xxx“, das morgen, 10. September, auf dem Dern‘schen Gelände stattfindet.
Musik, Tanz, Kunst, Literatur, Theater - das Festival soll das komplette Spektrum der Jugendkultur abbilden. Eingeteilt in verschiedene Arbeitsgruppen haben die Jugendlichen in den vergangenen Wochen und Monaten die einzelnen Programmpunkte vorbereitet, Musikbands ausgewählt und Sponsoren gesucht.
Marcella Melien hat die Oberaufsicht über das „Poetry-Zelt“, in dem es Lesungen und einen Poetry-Slam geben wird. Literatur liegt Marcella. Sie ist 18 Jahre alt, macht nächstes Jahr Abitur, und hat im vergangenen Jahr - ganz nebenbei - ihren ersten Roman veröffentlicht. „Ich habe schon immer geschrieben, irgendwann habe ich einfach angefangen, auch längere Geschichten zu schreiben, und so entstand ‚Das Buch von Mavalyon‘.“ Daraus wird sie auch beim Festival vorlesen.
Marcella schreibt nicht nur selbst, sondern gibt ihre Erfahrungen auch weiter. Zusammen mit einer Mainzer Autorin hat sie für das Festival die Schreibwerkstatt ins Leben gerufen, in der Schüler schon im Vorfeld an eigenen Texten arbeiten konnten; die Ergebnisse sollen morgen vorgestellt werden.
Neben den Workshops im Vorfeld wird es morgen auch eine Reihe von Spontanworkshops geben - nicht nur im Schreiben wird man sich versuchen können, sondern auch im Singen, Improtheater spielen, oder Graffiti sprühen.
„Außerdem spielen auf drei Bühnen junge Bands aus der Region, es wird eine Quiz-Show geben, Tanz-Acts und Theater-Vorführungen, sowie eine Kunstausstellung im Kulturforum“, erzählt Marcella Melien. An Aktionsständen stellen sich verschiedene Jugendinitiativen vor, für Essen und Getränke ist auch gesorgt, und in der Mitte des Geländes kann man sich in die gemütliche „Chill-Area“ zurückziehen. „Das Tolle ist, dass wir wirklich unsere eigenen Vorstellungen einfließen lassen konnten, wie so ein Jugendkulturfestival aussehen soll.“
Eine Auflage des Amts für Soziale Arbeit war ein striktes Alkoholverbot auf dem kompletten Festivalgelände. „Wir haben auch Sicherheitskräfte vor Ort, und hoffen, dass sich die Besucher an das Verbot halten. Wer sich einfach nur betrinken will, ist bei uns sicher falsch.“
Die letzten Vorbereitungen laufen, sodass es morgen Nachmittag pünktlich um 15 Uhr losgehen kann. „Wir werden schon ab zehn Uhr vormittags da sein, und haben dafür sogar frei bekommen. Davor muss ich aber auf jeden Fall noch kurz in die Schule, weil nächste Woche Klausuren anstehen.“
Was Marcella nach ihrem Abi machen will, weiß sie noch nicht genau. „Zuerst geht‘s nach Kanada, da besuche ich meine Gastfamilie, bei der ich vor zwei Jahren untergekommen bin. Und dann muss ich mal schauen“. Kulturwissenschaft interessiere sie, aber „bei der Festivalplanung habe ich gemerkt, dass auch Eventmanagement und Projektarbeit sehr spannend sind.“ Auf jeden Fall wolle sie auch weiter Bücher schreiben. „Der zweite Band ist schon in Arbeit.“

