8500 Besucher sind begeistert
06.09.2010 - WIESBADEN
Von Roger Töpelmann
NACHT DER KIRCHEN Ökumenische Veranstaltung lockt die Massen / Turmbesteigungen sehr beliebt
Die Nacht der Kirchen hat guten Publikumszuspruch gefunden. Die Veranstalter zählten 8500 Besucher. Die bereits zum neunten Mal stattfindende ökumenische Kirchennacht war eine Mischung aus leichter Unterhaltung und ernster religiöser Information.
In der St. Bonifatiuskirche legten der Limburger Weihbischof Dr. Thomas Löhr und der Propst in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Michael Karg, die in beiden Konfessionen unterschiedlichen Auffassungen zum Abendmahl vor. Löhr bestätigte, die Kirche sei aus dem Glauben an die Wirkmächtigkeit der Eucharistie entstanden und die Gläubigen träten hinter das Geheimnis der heiligen Wandlung zurück. Er plädierte für eine „Spiritualität der Ökumene“, die die Unterschiede im Abendmahlsverständnis beider Konfessionen achte. Zur bestehenden Trennung beim Abendmahl in beiden Kirchen sagte Löhr, sie sei schmerzlich. Dennoch sei ein Fortschritt in der Ökumene erkennbar: „Wir sind schon so viele Stufen emporgestiegen, jetzt ist es nicht ratsam, wieder von vorne zu beginnen.“ Der Propst aus Nord-Nassau, der den Wiesbadener Propst Sigurd Rink vertrat, machte die Unterschiede klar. Die katholische Kirche verstehe sich aus den Sakramenten heraus. „Das können wir nicht nachvollziehen.“ Zum Thema Eucharistie bot Cornelius Dahlem Musik von Cesar Frank und Olivier Messiaen.
Die Nacht der Kirchen verbindet sich seit Jahren mit einer Skatertour „Skaten zu Kirchen“, die eine Gruppe von 30 Laufbegeisterten von Erbenheim nach Hochheim führte. Organisator Herbert Reck vom Roll- und Schlittschuhclub Wiesbaden war angetan von der Atmosphäre der historischen Hochheimer Kirche. Taizè-Andachten mit Pfarrer Martin Fedler- Raupp folgten.
In der Ringkirche bot Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin nicht nur eine gut besuchte Kirchenführung „Lasst Steine sprechen“ mit einer Turmbesteigung, er hatte auch die kubanische Gruppe „Los 4 del Son“ eingeladen, die alle Zuhörer förmlich mitrissen. Kirchenvorstandsvorsitzende Elke Flentge zeigte sich mit dem Abend höchst zufrieden. „Es kommt Lebensfreude pur rüber“, sagte sie, „die wir Christen uns einmal gestatten sollten.“
In der Marktkirche war das Gedränge bei den Turmbesteigungen groß. Viele Helfern sorgten dafür, dass die Besuchergruppen sicher hunderte Treppenstufen im linken Marktkirchenturm hinaufsteigen konnten, bis sie bei Kantor Thomas Frank anlangten, der in 70 Meter Höhe - der höchste Turm ist knapp 100 Meter hoch - das Glockenspiel vorführte.
In der Bergkirche hatte sich Kantor Christian Pfeiffer „Bachrauf - Bachrunter“ vorgenommen und brachte mit den Sängern des „Collegium vocale“ anspruchsvolle Musik der Musikerfamilie Bach bei Kerzenschein. Pfarrer Helmut Peters zeigte sich von der guten Resonanz auf die Kirchen- und Orgelführung überrasch.
In die Jugendkirche Kana erlebten die Besucher bei „And it burns, burns, burns“ Licht, Feuer und Kerzenschein an neun Stationen. Jugendbildungsreferentin Susanne Kemper meinte: „Es geht uns hier um das „Lumen (Licht) Christi. Kirche hat eben viele Gesichter“. In der Lutherkirche gab es ein musikalisches Raumerlebnis der besonderen Art. Kantor Jörg Endebrock und Eva Maria Hodel spielten an der Klais- Orgel von 1978 und der Walcker-Orgel von 1911. Pfarrer Volkmar Thedens-Jekel zeigte sich erfreut über die vielen Turmführungen. Im Kirchenfenster „Schwalbe 6“ schlug der Kabarettist Stefan Herok, kirchenkritische Töne an. Die ESWE-Bussen fuhren alle Kirchen auf einem Rundkurs an. Am späten Abend war Busfahrerin Christine Schäfer dann doch froh, als es zu Ende ging: „Ich hab’ schon einen Drehwurm“, sagte sie in bester Laune.

