Von Ingeborg Toth
SCHWARZER BOCK Restauriertes „Badhaus“ öffnet seine Pforten / 30 verschiedene Behandlungen
Sieben Monate hat der Umbau gedauert: Jetzt öffnet das traditionsreiche „Badhaus“ im „Schwarzen Bock“ seine Pforten. Das Radisson Blu Hotel wendete 700 000 Euro auf und sanierte seinen Wellness-Bereich mit Thermalschwimmbad, finnischer Sauna, einem Dampfbad und Ruheräumen unter den strengen Auflagen der städtischen Denkmalpfleger.
Das Ergebnis ist eine stilvolle Mischung zwischen Tradition und Moderne: So wurden etwa über hundert Jahre alte Fliesen in den neuen Bodenbelag integriert. Oder die alten Auslaufventile der in den Boden eingelassenen Wannen erhalten, ebenso die elegant geschwungenen Handläufe aus Bronze, die zu diesem Badhaus dazugehören. Es firmiert ausdrücklich unter dem Traditionsnamen und steht jetzt den Hotelgästen, aber auch den Wiesbadenern wieder zur Verfügung.
Das Fünf-Sterne-Haus mit seinen 142 Zimmern ist die Woche über gut ausgelastet. So sagt der neue Direktor des Hauses, Peter B. Mikkelsen. Sein Ziel ist: Über die Belegung mit Geschäftsreisenden hinaus den Wachstumsmarkt „Gesundheitstourismus“ zu erobern. Im Blick hat Mikkelsen eine gesundheitsbewusste Klientel, die den luxuriösen Charme einer der ältesten Herbergen Deutschlands zu schätzen weiß. Das kleine Brünnchen im Eingangsbereich des Badhauses ist derzeit abgestellt. Überraschenderweise fällt das Kochbrunnenwasser jetzt unter das Arzneimittelgesetz, sein Genuss soll genehmigungspflichtig sein.
Noch ist aber nicht ganz klar, wer die entsprechende Erlaubnis zu erteilen hat, damit das Kochbrunnenwasser wieder fließen darf. Die Auflagen der Denkmalschutzbehörde waren leichter zu bewältigen. Sie gaben einen gestalterischen Rahmen vor, in die die moderne Ausstattung eingefügt werden musste. Im historischen Teil des Badhauses wurden insgesamt vier Kabinen für die Wannenbäder und Massage-Anwendungen restauriert und erneuert. Die Schwimmhalle aus dem Jahr 1961 wurde ebenfalls komplett saniert, und das fünf mal sieben Meter große Schwimmbecken an gleicher Stelle wird wieder mit mehr als 30 Grad warmem Quellwasser aus der Kochbrunnenquelle betrieben. Zusätzlich gibt ein großzügiger Ruheraum den Blick auf den Pool frei und ermöglicht Entspannung und Erholung.
Künftig können die Gäste aus über 30 verschiedenen Behandlungen, entspannenden Bädern, intensiven Massagen oder Gesichts- und Körperpflege wählen. Betreut werden die Besucher nicht nur von Masseuren und Kosmetikerinnen, sondern auch von „Salutologen“, die um die „ganzheitliche Gesundheit“ der Gäste bemüht sind.
Der Hotelgast hat die Möglichkeit, mit eigenem Aufzug in den neugestalteten Wellness-Bereich zu gelangen. Externe Besucher erreichen das Badhaus über den Haupteingang und einen Flur, der aus der Zeit um 1900 stammt. Damals veröffentlichte das Hotel einen aufwendig gestalteten Prospekt, in dem die „Bequemlichkeiten der Neuzeit“ vorgestellt wurden - zu denen damals auch Süßwasser-, Kohlensäure- und elektrische Lichtbäder gehörten. Mit dem Namen „Badhaus“ knüpft das Hotel an die Tradition der Kaiserzeit an.
Der Name „Schwarzer Bock“ tauchte zum ersten Mal Mitte des 15. Jahrhunderts in den Urkunden auf. Bereits im Jahr 1486 stand an gleicher Stelle ein Gast- und Badehaus desselben Namens. In seiner langen Geschichte wurde der „Bock“ mehrmals neu- und umgebaut. Im Jahr 1883 hatte Wiesbaden rund 80 000 Kurgäste. Eine Zahl, die kontinuierlich anstieg. Zehn Jahre später kamen bereits 100 000 Besucher. Bis 1914 verdoppelte sich die Zahl noch einmal. Wesentlich dabei war, dass man seit den Achtzigerjahren „Winterkuren“ anbot. Diese insgesamt erfreuliche Entwicklung veranlasste auch die Familie Schäfer als Hotel- und Badhausbesitzer, großzügige, ja für die Zeit exorbitante Neubauten zu wagen. Schäfers vergrößerten den „Bock“ in den Jahren 1906 und 1911, sie führten das Haus über sechs Generationen. Seit 1995 gehört das Haus zur Radisson SAS-Gruppe.

