Von Daniel Duben
PODIUMSDISKUSSION Fußball hilft, Vorurteile abzubauen / Unterschiede zwischen Profi- und Amateurbereich
Als in Südafrika vor der Halbfinalbegegnung Deutschlands gegen Spanien die Nationalhymne gespielt wurde, standen die Spieler Friedrich und Schweinsteiger Arm in Arm mit Boateng, Özil und Khedira auf dem Platz. Egal ob mit Migrationshintergrund oder ohne - sie alle trugen den Bundesadler. „Diese Nationalmannschaft ist ein Spiegelbild für vorbildliche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und hat Strahlkraft auf viele Amateurvereine“, findet Karl Schmidt, Geschäftsführer der DFB-Kulturstiftung. Eine These, die Ömer Sekman, Vorsitzender des Türkischen SV Wiesbaden, bekräftigt. „Ich habe in unserem Verein noch nie so viele Leute gesehen, die der deutschen Nationalelf die Daumen gedrückt haben“, berichtet er und verweist auf die Rolle des Deutsch-Türken Mesut Özil.
Doch wurde bei der Podiumsdiskussion zur gesellschaftlichen Verantwortung im Fußball nicht nur von Eitel Sonnenschein berichtet. Vor rund 40 Besuchern im Rathaus erinnert Gerd Wagner von der Koordinationsstelle Fanprojekte an bestehenden Handlungsbedarf. „Natürlich leistet der DFB im Bereich der Integrationsarbeit sehr gute Arbeit“, lobt Wagner. Zugleich würden jedoch viele Bemühungen des Verbandes im Profisport ihre Wirksamkeit entfalten, bei den Amateurvereinen jedoch nicht ankommen. Ein Beispiel sei die Bekämpfung von Rechtsextremismus, Rassimsmus oder Homophobie im Stadion. Phänomene, die bisher hauptsächlich in den neuen Bundesländern aufgetreten sind. „Kameraüberwachung, hauptamtliche Fanbetreuer, verstärkte Sicherheitskontrollen und eine massive Polizeipräsenz haben den sichtbaren Rechtsextremismus zwar weitgehend aus den Stadien der oberen drei DFB-Ligen verdrängt, aber im Amateurbereich muss man sich mit dieser Problematik anders auseinandersetzen“, fordert Wagner. Kein Amateurverein könne sich Fanbetreuer oder Kameraüberwachung leisten.
Er schlägt deswegen einen anderen Ansatz mit dem Zauberwort ,Aus- und Weiterbildung‘ vor. „Der DFB muss Strukturen schaffen, um Vereinen mit Problemen helfen zu können“, sagt er. Präventiv eingesetzte Infomobile, die in die Vereine kommen, könnten zentrales Element sein. Ein Vorschlag, der bei Sekman auf Zustimmung stößt. Er weiß, wie schwer es für die Trainer ist, Zeit für Trainings- sowie Spieltagsbetreuung aufzubringen. „Da ist es zwar lobenswert, wenn der DFB bei der Trainerausbildung Module zur sozialen Bildung vorschreibt, aber in der Realität haben 90 Prozent der Jugendtrainer doch gar keine Zeit dafür, einen Trainingsschein zu machen“, sagt er.
Integrationsarbeit, so fasst es ein Besucher zusammen, sei die Voraussetzung für einen Abbau von Rassismus. „Aber darüber hinaus muss auch über andere Strategien gegen Rechtsextremismus nachgedacht werden“, fordert er.

