Es geht um den Ruf einer Sportart
10.06.2010 - WIESBADEN
JUGENDFUSSBALL Sportgericht hört Zeugen zum Vorfall am 15. Mai / Entscheidung über Strafmaß vertagt
(fh/cc). Das Kreissportgericht Wiesbaden hat jetzt über die Vorkommnisse nach dem D-Jugendspiel am 15. Mai zwischen Grün-Weiß Wiesbaden und Biebrich 02 verhandelt. Wie berichtet war es nach der Partie zu einer Auseinandersetzung gekommen, bei der ein Vater eines Grün-Weiß-Spielers Reizgas einsetzte. Mindestens zwölf Beteiligte waren dabei verletzt worden.
Das Sportgericht um den Vorsitzenden Detlev Hofmann (Schwarz-Weiß) hörte in einer mehrstündigen, nichtöffentlichen Sitzung zahlreiche Zeugen, darunter Jugendspieler beider Vereine. Auch wurden die Videoaufnahmen, die ein Biebricher Betreuer bei dem Spiel gemacht hatte, ausgewertet. Der beschuldigte 45-jährige Vater, der das Reizgas versprüht haben soll, war nicht zu der Verhandlung erschienen. Er fehlte krankheitsbedingt.
„Wir haben sehr viele Zeugen gehört und entschieden, das Urteil erst nächste Woche zu fällen“, sagte Sportgerichtsvorsitzender Detlev Hofmann nach der Verhandlung. Am kommenden Dienstag soll das Gericht seine Entscheidung treffen, diese soll den Beteiligten schriftlich zukommen.
Es geht in der Geschichte von der Auseinandersetzung am 15. Mai mittlerweile auch ein bisschen um den Ruf des Fußballs. „Wir müssen sehen, dass das Einzelfälle sind, die eine ganze Sportart in Verruf bringen“, appelliert Wiesbadens Kreisfußballwart Dieter Elsenbast. Einzelfälle, die in der Summe dennoch ein beunruhigendes Bild zeichnen: Acht Spielabbrüche in der vergangenen Spielzeit alleine in der F-Jugend - „das ist unbegreiflich“, sagt Elsenbast. Und die Schuldigen, „das sind nicht die Vereine, das sind die Eltern“.
Die Kriminalität rund um den Fußballplatz: In Wiesbaden wird sie zum Fall von Hauptkommissar Jörg Hönig. Er ist einer von zwei szenekundigen Polizisten, die sich um Problem-Fans des SV Wehen Wiesbaden kümmern. Und um den ehrgeizigen Vater, der am 15. Mai mit Reizgas Spieler, Betreuer und Zuschauer verletzte.
„Ein außergewöhnliches Ereignis“, nennt Hauptkommissar Hönig diesen Fall. Normalerweise beanspruchen die Spiele der Kinder und Jugendlichen die Polizei nicht allzu sehr. Diese Begegnung war die bedauerliche Ausnahme von der Regel.
„Es gibt Hunderte, ja tausende Fußballspiele ohne Polizeieinsatz“, sagt Hönig. Aber es gibt eben auch die elf Ermittlungsverfahren, die in der zurückliegenden Fußballsaison die Polizei beschäftigt haben. Es geht um Körperverletzung oder Beleidigung. Oder um Bedrohung, wie im Fall des Spiels SG Italia Rhein-Main gegen den 1.SC Klarenthal.
Nur Fußball wird für Hauptkommissar Hönig zum Fall. Volleyball oder Basketball spielen keine Rolle. „Fußball ist ein Massenphänomen mit Fan-Problematik“, sagt er. Hier wird die Rivalität zwischen den Vereinen gepflegt wie sonst nur noch im Eishockey. „Keine andere Sportart hat diese Emotionalisierung wie der Fußball“.
Auch der Präsident des PSV Grün-Weiß, Manfred Tecl, hatte sich von den Vorfällen auf dem Sportplatz Kleinfeldchen distanziert, ein „gesamtgesellschaftliches Problem“ in der Tatsache gesehen, „dass Erwachsene das Fußballspielen und mögliche Erfolgserlebnisse ihrer Kinder überbewerten und sich am Rande des Spielfeldes entsprechend negativ verhalten“.
Der Wiesbadener Fußballkreis hat schon auf seiner letzten Jugendleiter-Pflichtsitzung den Vereinsverantwortlichen eingebläut, hart gegen auffällige Eltern vorzugehen, Sportplatzverbote auszusprechen, sich notfalls von Spielern zu trennen. „Wenn die Vereine nicht durchgreifen, werden wir das machen“, sagt Dieter Elsenbast. Das Sportgericht werde künftig bei Bestrafungen „an die obere Grenze gehen“.

