Auf die Straße für mehr Bildung
03.06.2010 - WIESBADEN
Von Felix Hooß
DEMO Am Mittwoch „Streik“ in Wiesbaden
Auf den Kartons steht „EBS“ geschrieben, „G8“ oder „Selektion“. Gemeinsam sollen sie eine Art Mauer bilden und als die jungen Menschen das fragile Bauwerk auf dem Schlossplatz einrennen, reißen sie damit „Bildungsblockaden“ ein, die ihnen im Weg stehen. Symbolisch haben die jungen Frauen und Männer vom Bildungsbündnis Wiesbaden/Rheingau-Taunus schon mal vorgemacht, um was es ihnen geht. Am nächsten Mittwoch soll die Form des Protests für die Öffentlichkeit offensichtlicher werden, wenn Schüler und Studierende bundesweit zum Bildungsstreik aufgerufen werden, zum zweiten Mal auch in Wiesbaden.
Die Mängelliste des Bündnisses ist enorm lang
Die Mängelliste des lokalen Bündnisses ist lang: marode Schulen, Schulzeitverkürzung G8, die Umstellung der Studiengänge an den Hochschulen auf das Bachelor- und Mastersystem. Es werden aber auch konkrete Ziele im Aufruf zum Bildungsstreik formuliert. „Unser Motto heißt ‚Selbstbestimmt Leben und Lernen‘“, sagt Kristian Kaiser, Sprecher des Bildungsbündnisses. So soll am Mittwoch nicht nur „gestreikt“, sondern auch aktiv eine eigene, positive Vision des Bildungssystem in die Öffentlichkeit gebracht werden.
Die Schüler sind laut Wiesbadens Stadtschulsprecherin Astrid Schroeder inhaltlich bestens vorbereitet, wissen aus eigener Erfahrung um die Mängel im Bildungsbereich: „Ein großes Thema sind die maroden Schulgebäude“, weiß Schroeder. „Viele Schüler müssen morgens vor dem Unterricht den Boden putzen, weil es vorher geregnet hat.“ Durch G8 seien viele „so gestresst, dass sie den Spaß am Lernen verlieren“.
Mit den Schülerinnen und Schülern sollen in diesem Jahr erstmals auch die Studierenden auf die Straße gehen. Diese hatten erst vor wenigen Wochen ihrem Unmut über den Hochschulpakt auf der Straße Luft gemacht, Grund zum Streiken sieht Nora Weißmann vom ASta der Hochschule RheinMain aber genug: „Die Probleme gehen an der Hochschule weiter“, sagt sie. Der Druck durch die kürzeren Bachelor-Studiengänge, fehlende Master-Plätze - „wir wollen mehr mitgestalten, denn wir sind momentan die Leidtragenden“.
Die Studierenden der Hochschule Rhein-Main treffen sich am Mittwoch zunächst um 10 Uhr am Kurt-Schumacher-Ring zur Vollversammlung. Um 11.30 Uhr sollen sie sich dann, wie alle anderen Bildungsstreik-Teilnehmer, zum Start der Demonstration am Wiesbadener Hauptbahnhof einfinden. Mit im Boot sollen diesmal auch Auszubildende sein, weshalb das Bildungsbündnis vor den Berufsschulen werben will. „Auch sie stehen unter dem Leistungsdruck, exzellente Abschlüsse zu machen, um später einen Beruf zu finden“, sagt Kaiser.
Abschlusskundgebung in den Reisinger-Anlagen
Vom Bahnhof werden die Demonstranten über den 1. Ring, und die Rheinstraße zum Luisenplatz ziehen, dann zur Kundgebung auf dem Dernschen Gelände und schließlich über die Bahnhofstraße zur Abschlusskundgebung in den Reisinger-Anlagen. Gegen 15.30 Uhr soll der Bildungsstreik beendet sein. 2009 beteiligten sich in Wiesbaden 4000 Demonstranten, diesmal wären die Veranstalter mit 2000 zufrieden. Auch den Erfolg schätzen sie nüchtern ein: „Die politischen Verantwortlichen tun sich schwer, wirklich was zu machen“, sagt Kaiser. „Sie haben uns zuletzt teilweise nicht wirklich ernst genommen.“

