Mord und Totschlag im Tandem
29.05.2010 - WIESBADEN
Von Viola Bolduan
LESUNG Die Krimiautoren Horst Eckert und Richard Lifka im Literaturhaus
Wenn ein Wiesbadener Krimistipendiat zum Abschluss seines vierwöchigen Aufenthalts im Literaturhaus der Stadt gefragt würde, wie es ihm gefallen habe, was bliebe ihm denn schon übrig, als zu sagen, es sei sehr schön gewesen. Horst Eckert wurde gefragt. Und es war „sehr schön“. Abgesehen davon, dass der renommierte Autor ein höflicher Mensch ist, überzeugt er das Publikum zur Schlusslesung im Literaturhaus auch: Dass er viel gesehen hat, mit seinen Krimi-Kolleginnen Anni Bürkl und Regula Venske in der Wohngemeinschaft unterm Dach der Villa Clementine „viel zusammen gemacht und geplaudert“ und übrigens dort auch seinen 51. Geburtstag gefeiert hat. Seine Frau auf Besuch habe übrigens gemeint, Wiesbaden sei schöner als Düsseldorf, Lebensmittelpunkt der Familie seit Langem.
Mit der letzten Tandem-Lesung - Stipendiat und Wiesbadener Autor stellen einander vor und lesen aus ihren Krimis - ging der Mai-Aufenthalt der drei schreibenden Gäste in dieser Stadt zuende. Richard Lifka war Partner und sorgte für klaren Ablauf und entspannte Atmosphäre. Geschickt hatte Eckert als Schlusspassage das Kapitel ausgewählt, das er Anfang Mai zur gemeinsamen Vorstellung der Gäste bereits vorgetragen hatte. Nicht nur, dass er mit ihm eine der spannendsten Passagen des neuen Romans las - keinen besseren Rahmen hätte er schlagen und nicht besser auf seine Nominierung für den wichtigsten Krimipreis unter deutschsprachigen Autoren aufmerksam machen können. „Sprengkraft“ wird hoch gelobt und ebenso gehandelt. Eckert ist bereits Friedrich-Glauser-Preisträger (2001), und warum sollte er ihn für den „besten Krimi“ nicht noch einmal bekommen? Jedenfalls, die beiden Abschnitte aus „Sprengkraft“ mit ihrer Personenzeichnung in gestischem Stil und Handlungsdarstellung in schnellen, rasanten Szenen, klangen nach guter Empfehlung.
Dass der Politologe und langjährige TV-Journalist seit Mitte der 90er lieber als professioneller Krimiautor arbeitet, weil die „eigene Welt beim Schreiben“ entfaltet werden kann, erfuhr das Publikum im Gespräch mit Richard Lifka, selbst Journalist und Autor. Umgekehrt durch Horst Eckerts Fragen vom mehrjährigen Aufenthalt des Germanisten Lifka in Rumänien, dass er seit früher Kindheit schreibt und Ende der 90er im Viererteam den ersten Wiesbaden-Krimi vorlegte. Seitdem viele Krimis und Erzählungen mehr und im Sommer erscheint der neue Roman „Sonnenkönig“. Was beide Autoren verbindet, ist der Realitätsbezug ihrer Bücher. Gesellschaftspolitisch bei Eckert, spielerisch mit Lifka. Wie der Letztere Fiktionen ineinander verpuppt und sie in den konkreten Ort des Literaturhauses hineinplatziert, führte er im Kurzkrimi „Todesgrüße“ vor. Das Wiesbadener Stipendium, so Horst Eckert, habe „gepasst“. So auch dieser Abschluss. Erstmal. Mit Wiesbadener Kurzkrimis werden die Stipendiaten im Herbst wiederkommen.

