Von Barbara Yurtöven
LINDY Hop Ein neuer Tanz findet auch in Wiesbaden Freunde / Swingabend im Tanzclub
Ob Charles Lindbergh, den Lindy Hop jemals getanzt hat lässt sich nicht mehr klären. Auf jeden Fall aber trägt der aus den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammende Swing-Tanz seinen Namen zu Ehren des ersten Piloten, der alleine über den Atlantik flog: „Lindy“ steht für Lindbergh.
Lange war der Tanz in der Versenkung verschwunden, doch er erlebt seit einigen Jahren eine Wiederbelebung. Von Amerika aus schwappte die Welle der neuen Lindy-Hopper nach Europa. Und auch in deutschen Großstädten hat sich längst eine Szene von Lindy Hop-Fans etabliert.
Die Szene der Lindy-Hopper in Deutschland wird immer größer. Vor allem in Großstädten findet der Tanz immer neue Fans. Inzwischen gibt es auch in Wiesbaden Tänzer, größere Veranstaltungen und kleinere Partys.
Bei einem Workshop in Sachen Lindy Hop im Wiesbadener Tanzatelier Ralf S. durften die Teilnehmer am vergangenen Wochenende von zwei echten Könnern lernen: Katja und Ali. Im südhessischen Bensheim wohnen die beiden Ausnahmetänzer, die ihre Liebe zum Lindy Hop in Paris entdeckten.
In einem Labor hat Chemiker Ali den Lindy Hop gelernt: „Ein Kollege hatte den Tanz in Kanada gelernt, war total begeistert und brachte mir die ersten Tanzschritte bei.“ Dermaßen für den Ernstfall gewappnet machte er sich auf zum Ufer der Seine, wo unter freiem Himmel Lindy Hop getanzt wurde. Dort wurde Katja auf den eleganten Tänzer aufmerksam und nahm sich vor: Mit dem musst Du unbedingt einmal tanzen. Ali wollte ihr zunächst nur einen einzigen Tanz zugestehen, aber am Ende hatten sie doch den ganzen Abend zusammen getanzt.
Die folgenden sieben Monate tanzten sie jeden Tag zusammen. Mittlerweile gehören die beiden zu den Galionsfiguren der Szene, reisen durch die ganze Welt und sorgen dafür, dass sich der Bazillus Lindy Hop weiter verbreitet. Seit neuesten haben sie den Lindy Hop zu ihrem Beruf gemacht und wollen im Herbst ihr eigenes Studio eröffnen.
Jeweils zwei Stunden lang unterrichteten sie die Workshop-Teilnehmer und waren auch am Samstagabend beim monatlich stattfindenden Swingabend des Tanzateliers mit dabei.
So wie auch Martin Schäfer und Kerstin Embs. Die beiden sind noch richtige Anfänger in Sachen Lindy Hop und haben von diesem Tanz erstmals während ihres Tanzkurses gehört. Aber sie waren sofort begeistert und wollen jetzt noch viel mehr lernen.
Auch Judit und Richard haben gerade erst Blut geleckt und wollen unbedingt mehr lernen. „Es ist ein echter Trend“, weiß Ralf Schloßer. Der erfahrene Tanzlehrer und Tanzpädagoge ist selber ein begeisterter „Lindy-Hopper“.
„Es ist der Tanz, die Musik, die Zeit, der Stil“, beschreibt Iris Hollweg ihre Faszination. Sie ist mit Ehemann Boris Jacob zur Party gekommen. Für ihn ist der wichtigste Grund Lindy Hop zu tanzen: „Dieser Tanz ist auch definitiv etwas für Männer. Er ist nicht so kapriziös, sondern eher sportlich und athletisch“, zeigt er seine Begeisterung.
Beim Lindy-Hop tanzen nicht Damen und Herren, sondern Leader und Follower, also Führer und Nachfolgende. Und die können durchaus beiderlei Geschlechts sein. Meistens sind die Leader aber doch die Männer. „Aber es ist nichts ungewöhnliches, dass auch zwei Männer oder Frauen miteinander tanzen“, betont Katja. Die Paare tanzen nicht die ganze Zeit zusammen und es ist durchaus auch mal möglich, dass die Tanzpartner wieder wechseln.
Sieht man Katja und Ali dann tanzen, so kann man in ihren strahlenden Gesichter deutlich ablesen, was sie meint, wenn sie davon spricht, dass Lindy Hop einfach nur Spaß bringt.
Und nicht nur weil als Musik gerade die Titelmelodie des Rosaroten Panthers läuft, drängt sich bei der Geschmeidigkeit und Eleganz der Vergleich mit Katzen förmlich auf.
Der Lindy Hop ist verwandt mit dem Jive, dem Boogie-Woogie, aber auch mit dem Charleston.
Wer schon zur Szene gehört lässt sich auch am Outfit erkennen: Schiebermütze und Hosenträger gehören bei den Herren zum guten Ton. Sind aber kein „Muss“. Jeder kommt, wie er es für richtig hält.
Die Lindy Hop-Partys bei Ralf S. finden an jedem vierten Samstag im Monat statt. Dienächste am 22. Juni. Eine halbstündige Einführung beginnt jeweils um 21 Uhr, anschließend ist die Tanzfläche frei für alle Hopper.

