Ehrung für Präses
26.02.2010 - WIESBADEN
Von Stefan Weiller
BUNDESVERDIENSTKREUZ Gabriele Schmidt ausgezeichnet
Ein recht sachliches Schreiben sei es gewesen, in dem Gabriele Schmidt aus Auringen in, wie sie sagt, "dürren Worten" vor einigen Wochen eine große Nachricht übermittelt bekam: Die 60 Jährige erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande - und damit die höchste Anerkennung ihrer Leistungen, die in der Bundesrepublik Deutschland verliehen wird. Seit seiner Stiftung im Jahre 1951 durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss wurde der Verdienstorden etwa 240000 Mal vergeben. Auffällig dabei: Es waren vorwiegend Männer, die sich über die Anerkennung ihrer Leistungen um das Gemeinwohl freuen durften. Im Jahr 2008 betrug der Frauenanteil der Ausgezeichneten lediglich 31,2 Prozent. Gabriele Schmidt verändert diese Statistik. Fragt man Menschen ihres Umfelds, dann sind Veränderungs- und Gestaltungswille ohnehin Merkmale der Frau aus Auringen.
Vor der möglichen Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz stand auch für Gabriele Schmidt die Prüfung ihrer Würdigkeit durch die Staatskanzlei. Informationen wurden an den Stätten ihres Wirkens eingeholt - und davon gibt es offenbar viele: Als Lehrerin an der Leibnizschule gehe ihr Engagement weit über die Dienstpflicht hinaus, attestieren Schüler, Eltern und Kollegen. Studiert hat Gabriele Schmidt die Fächer Biologie und Evangelische Theologie. Unter anderem beriet die Pädagogin Schüler und Eltern bei Drogenproblemen und Essstörungen. Einige Jahre war sie als Präventionslehrerin in den Bereichen Gesundheit, Ich-Stärke und Friedenserziehung aktiv.
Schon das mag aller Ehren wert sein, vorgeschlagen wurde Schmidt jedoch von ihrer evangelischen Kirchengemeinde Auringen. Seit 1991 gehört sie dem dortigen Kirchenvorstand an, dessen Vorsitzende sie seit 1997 ist. Keine leichte Aufgabe: Die Gemeinde musste drei Jahre ohne Pfarrer auskommen. "Auch Frau Schmidt ist es zu verdanken, dass die Gemeinde nicht auseinanderbrach", sagen Gemeindemitglieder.
Integratives Talent bewies Gabriele Schmidt offenbar auch als Präses der Dekanatssynode Wiesbaden. Der Begriff Synode bezeichnet das gewählte Leitungsgremium aller Gemeinden des Evangelischen Dekanats Wiesbaden. Die Präses steht der Versammlung vor. Seit 2000 hat Gabriele Schmidt dieses zeitintensive Amt inne - als Repräsentantin der Synode, als Kontaktstelle zwischen Synode und Gemeinden. Sie trägt die Verantwortung für die Vorbereitung und Umsetzung von Beschlüssen.
Für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes hätten Ort und Zeit kaum passender gewählt sein können: Kurz vor der Tagung der Dekanatssynode überreichte Oberbürgermeister Helmut Müller am Mittwoch in der Lutherkiche die Auszeichnung im Auftrag von Bundespräsident Köhler.

