BERUFSWEGE FÜR FRAUEN Unterstützung für Existenzgründerinnen
(aja). Das klingt nach Horizonterweiterung für beide Seiten: "Ich war während der Beratungsphase oft ungeduldig: Denn wenn bei uns ein Projekt nicht im vorgegebenen Zeitrahmen erledigt wird, ist es bald gescheitert", sagt Helmut Stückert, Abteilungsleiter bei einer großen Versicherung. "Und dass sich Selbstständige nicht auf entsprechende Stabs- und Fachabteilungen verlassen können, sondern alles allein organisieren müssen - das musste ich auch einkalkulieren." Stückert war im letzten halben Jahr Mentor der Künstlerin und Tier-Sitterin Simone Ines Stephan, die sich gerade selbständig gemacht hat.
Die Künstlerin und der Versicherungs-Abteilungsleiter waren eins von vier sorgfältig zusammengestellten Berufs-Paaren, die an einem Pilotprojekt teilnahmen: "Berufswege für Frauen", ein Verein, der Frauen neue berufliche Perspektiven aufzeigen will, hat es gemeinsam mit dem Bundesverband Mittelständische Wirtschaft auf die Beine gestellt. Ziel war, ein hochwertiges Unterstützungsmodul für Gründerinnen zu entwickeln und nach Abschluss der Projektphase aus Sicht aller Beteiligten auszuwerten.
Und so wählten Gabriele Möhlke von "Berufswege" und Thomas Schirmer vom Bundesverband je vier Kandidaten aus, die sich als "Mentor" beziehungsweise "Mentee" zur Verfügung stellten. Neben Stückert und Stephan waren das die Ernährungsberaterin Sabine Grunert und der Anwalt Oliver Thum, die Feng-Shui-Spezialistin und Architektin Corinna Breier und die Anwältin Silke Giesa sowie die Grafikerin Kathleen Rother und der Unternehmensberater Thomas Sonntag.
Alle trafen sich in regelmäßigen Abständen zu gegenseitigem Austausch und Beratung über die Geschäftsgänge der Neugründerinnen, über Aspekte des Marketings, der Finanzen und des Selbstmanagements. Denn die ersten Jahre am Markt, das ist bekannt, sind stets die schwierigsten Durststrecken, auf denen Unterstützung durch Profis gut tut. "Es hat mir sehr viel gebracht", resümiert zum Beispiel Kathleen Rother, die neben dem Grafikdesign auch den Mut fasste, ein Keramik-Mal-Atelier in der Oranienstraße zu eröffnen, in dem Kunden selbst die Artikel bemalen können.
Veranstalter und Teilnehmer beurteilten das nun beendete Pilotprojekt uneingeschränkt positiv und empfehlen, gesteuertes Mentoring künftig verstärkt zu nutzen. "Notwendig wäre die struktuelle Verankerung in Wirtschaftsförderungsprogrammen und die Bereitstellung von Fördermitteln", empfehlen die Veranstalter.

