Von Anja Baumgart-Pietsch
INTERNATIONALE FREUNDSCHAFTEN Marco sehnt den elften Geburtstag herbei - dann sind Keeses komplett dabei
Die "CISV"- Wolke - auf der schweben immer alle, die von den Veranstaltungen zurückkommen", lacht Celine Sturm. Die 19-jährige ist begeisterte Teilnehmerin der verschiedenen Camps, die diese Organisation anbietet und mittlerweile auch selbst in der Betreuerriege aktiv.
CISV war die Abkürzung für "Children´s International Summer Village", erklärt Uschi Keese, die von Taunusstein aus ehrenamtlich die Geschäftsstelle des Vereins leitet, der für internationale Jugendbegegnungen seit 1951 sorgt. Mittlerweile hat sich die Angebotspalette erweitert - und nicht nur Kinder sind angesprochen: Es gibt Programme für jedes Alter, und daher nennt sich die Organisation jetzt auch nur noch "CISV - Building global Friendship", also "Aufbau globaler Freundschaften".
Die Organisation wurde von der Amerikanerin Doris T. Allen mit dem Ziel, einen Beitrag zur Friedenserziehung junger Menschen zu leisten, gegründet. Sie war der Meinung, mit internationalen Beziehungen auf menschlicher Ebene könne nicht früh genug begonnen werden, am besten schon im Kindesalter.
Bereits im Gründungsjahr fand das erste "Village" genannte Camp mit 60 Kindern aus zehn Ländern in Cincinnati statt, an dem auch eine deutsche Delegation teilnahm. Bald gab es das erste deutsche Village. Seit der Gründung haben über 150000 Kinder und Jugendliche an mehr als 4000 internationalen Programmen teilgenommen.
Zu Zeiten des Kalten Krieges war CISV eine der wenigen Jugendorganisationen, an deren Camps Kinder aus beiden Blöcken teilnahmen. 1979 wurde Doris Allen in die Vorschlagsliste für den Friedensnobelpreis aufgenommen.
Das Prinzip der Begegnungen ist stets eine Gruppenbegegnung mit möglichst vielen internationalen Teilnehmern. Mit dem "Village" für Elfjährige fängt es an, dann kommt das "International Summer Camp" für 14-Jährige, das "Interchange"-Programm für Zwölf- bis 15-Jährige bietet Famlienaustausch mit Privatunterbringung. Beim "Youth Meeting", sind Zwölf- bis 19-Jährige angesprochen, die sich künftig aktiv beim Mitorganisieren beteiligen wollen, beim "Seminar Camp" können 17- und 18-Jährige anhand eigener ausgewählter Themen miteinander ins Gespräch kommen und den Fokus auf positive Konfliktlösungen legen. Das "International People´s Project" schließlich steht auch Erwachsenen offen und bietet die Chance, sich in sozialen oder anderen Hilfsprojekten zu betätigen.
"Es kommt nicht in erster Linie auf das Reise-Land, sondern auf den Kontakt mit vielen jungen Menschen aus aller Welt an", erklärt Uschi Keese. Die "Camps" dauern eine bis vier Wochen und widmen sich mit Spielen, Kommunikation, Diskussion und gemeinsamem Alltags-Erleben unterschiedlichsten Themen. Dabei sollen sich, so die Idee, die Teilnehmer nicht nur kennenlernen und Freundschaften schließen, sondern auch ihre Länder vorstellen und dabei helfen, Vorurteile abzubauen.
Das funktioniert ausgezeichnet, sagen auch die beiden Töchter von Uschi Keese, Lara und Nina. Sie waren bereits mit elf Jahren erstmals dabei und seitdem fast jedes Jahr. Sie kennen Kanada, Kolumbien, Finnland, Italien und Schweden - und dazu noch andere Jugendliche aus viel mehr Ländern.

