Von Ingeborg Toth
FILMMUSIK Atrium der ESWE-Versorgung wieder als Konzertsaal
Das Kino als Hort der Träume und der wunderbaren Melodien: Mit dem Cello-Klavier-Abend "Cinema paradiso" lebten beim Rheingau Musik Festival einige der schönsten und gefühlvollsten Melodien auf, die ebenso dramatische wie unvergessliche Momente auf der Leinwand musikalisch untermalten.
Doch Filmmusik leistet mehr als nur die Untermalung dramatischer Stimmungen. Es war das Verdienst von Eckart Runge, Violoncello, und Jacques Ammon am Klavier das Genre Filmmusik ausdrucksstark, spannungsreich und so betörend schön darzubieten, dass der Abend ein Erlebnis wurde. Bereits zum sechsten Mal wurde das architektonisch kühle und kühne Atrium-Gebäude von ESWE-Versorgung zu einer der ersten Kunstadressen in der Stadt: Über 400 Besucher kamen, um das besondere Konzert zu genießen. Ein Phänomen ist: Die Filmmusiken aus Federico Fellinis "Achteinhalb" oder auch die Titelmusik zu "Cinema paradiso", die dem Konzert seinen Namen gab, sind Cineasten unglaublich vertraut - die Schöpfer dieser Melodien kennt kaum einer. Dank Runges unkonventioneller Moderation wurde speziell zwei Italienern ein Denkmal gesetzt, die für viele Filme des Neorealismus oder der Kategorie "Italowestern" die Musik schrieben: Nino Rota und Ennio Morricone. Rota begann 1952 eine Zusammenarbeit mit Fellini, die über Jahrzehnte andauerte. Morricone hat eine der legendärsten Filmmusiken aller Zeiten komponiert: "Spiel mir das Lied vom Tod." Beide beeinflussten das Genre Filmmusik und setzten Maßstäbe.
Letzteres tat auch das Cello- und Klavierduo in dem es die als Filmmusik konzipierten Werke zu etwas sehr eigenständigem machte. Sie würzten sie mit einer großen Portion Tango (von Astor Piazzolla ebenso wie von Carlos Gardel) und fügten jazzige Klänge dazu. Das Publikum dankte mit langanhaltendem Applaus.
Als Duo treten die beiden Künstler Eckart Runge und Jacques Ammon bereits seit über zehn Jahren auf, bei den Meisterkonzerten in Baden-Baden ebenso wie bei bedeutenden Musikereignissen in der Dresdner Frauenkirche oder im Wiener Konzerthaus. Der Berliner Runge ist Gründungsmitglied des Artemis Quartetts und auf allen großen Podien der Welt präsent.
Als Professor gibt er an der Universität der Künste in Berlin und an der Chapelle Reine Elisabeth in Brüssel seine künstlerischen Erfahrungen weiter. Ammon, in Santiago de Chile geboren, machte 1989 als Preisträger des internationalen Claudio Arrau-Klavierwettbewerbs auf sich aufmerksam. Gemeinsam präsentiert das Duo verschiedene Programme um Tango, Film und Jazz. Ihre CD-Produktionen "Cello Passion", "Contrapuncttango" und "CelloTango" sind so begehrt, dass sie im ESWE-Atrium nur noch ganze sechs Stück anbieten konnten. Bestellungen wurden selbstverständlich notiert.

