02. September 2010 18:42 Uhr
URL: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/wiesbaden/meldungen/7207704.htm

Wiesbadener Tagblatt

Donnerstag, 02. September 2010 18:42 Uhr
Seite drucken
Suche




Inhalt Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zur rechten Spalte
Wiesbaden 

"Irgendwann ist es mein Land"

07.08.2009 - WIESBADEN

Von Bertram Heide

GRENZGÄNGERIN Zwischen Heimweh und Hoffnung wagt junge Litauerin den Sprung nach Westen

"Eigentlich wollte ich in Litauen bleiben, aber ich brauchte vor allem meine Mutter in dieser Phase meines Lebens." Sandra Poskaité entschloss sich als 16-Jährige, aus Jurbarkas in Litauen nach Wiesbaden zu kommen.

Viel musste der Teenager zurücklassen, die Freunde, das gesamte Umfeld und auch die Oma. Bis zur neunten Klasse hatte sie die Realschule in ihrer kleinen Heimatstadt besucht, dann wagte sie den großen Sprung nach Westen und lebt heute immer noch zwischen Hoffnung und Heimweh.

Sandra bewegt sich zwischen zwei Welten, in denen sie sich aber wohlfühlt. Nach zehn Tagen Kurzurlaub in Litauen, verbunden mit einer jeweils 20-stündigen Busfahrt, ist sie froh, jetzt wieder in Wiesbaden zu sein.

Als sie das erste Mal in Wiesbaden ankam, hatte sich die junge Frau schon einiges vorgenommen. "Als erstes habe ich über ein halbes Jahr einen Deutsch-Intensivkurs gemacht", erzählt sie. TrotzdemHINTERGRUND war es auch danach schwer, wieder in eine Realschule zu gehen. "Ich habe das abgebrochen, ich habe einfach zu viel im Unterricht überhaupt nicht verstanden", sagt sie und bedauert das im Nachhinein. Die junge Frau schaut trotz allem nach vorn. "Was die jungen Leute heute machen, die ganzen Drogen, der Alkohol und das Rummachen mit vielen Partnern, das verstehe ich einfach nicht", sagt die 19-Jährige.

Sie will sich ganz bewusst in eine für sie völlig neue Welt integrieren. "Ich will irgendwann einmal auf mich stolz sein können und ich will auch, dass meine Mama auf mich stolz ist, denn die hat viel dafür getan, dass ich vor drei Jahren nach Wiesbaden kommen konnte", sagt sie. Und deswegen versucht Sandra jeden Tag, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. "Irgendwann wird Deutschland dann auch mein Land sein, die Sprache ist das Wichtigste, wenn ich hier leben will", ist Sandra Poskaité überzeugt.

Ihrer Mama auf der Tasche liegen will sie nicht, verdient sich nebenbei ein paar Euro im Monat. An der Volkshochschule ist sie zweimal in der Woche, um ihren Schulabschluss nachzumachen. Und an drei Tagen in der Woche arbeitet sie in der städtischen Kindertagesstätte Hellkundweg. Als Praktikantin, ohne Bezahlung und eigentlich auch ohne eine Chance auf Übernahme in eine feste Anstellung, aber trotz allem mit großer Freude.

Die Arbeit mit den Kindern macht ihr Spaß - und sie lernt von den Kindern mit. Ihr Credo: "Ohne die Sprache kann ich in diesem Land nichts machen."

Umso mehr ärgerte sich Sandra, als in der Volkshochschule im Unterricht, es ging eigentlich um das politische System der Demokratie in der Bundesrepublik, diskutiert wurde. "Eine junge Polin, drei Jahre älter als ich, hat gesagt, die deutsche Sprache wäre für sie völlig unwichtig. Warum sie lernen sollte, hat sie gefragt, sie könnte ja später immer noch irgendeine Arbeit finden, als Putzfrau, in der Gastronomie oder so", ist Sandra Poskaité heute noch empört. Überzeugen konnte sie ihre "Schulkameradin" letztlich nicht. "Als dieser Spruch kam, bin ich wirklich an die Decke gegangen. Ich habe versucht zu erklären, wie wichtig Sprache für das Leben von uns in Wiesbaden ist. Sie hat das nicht verstanden."

"Ich will eine Zukunft in meinem Leben haben und mich selbst auch respektieren können", sagt Sandra Poskaité.PrivatVergrößern

Diesen Artikel ...

Lesezeichen anlegen bei ...

  • Favoriten
  • Mr. Wong
  • Del.icio.us
  • Linkarena
  • Digg
  • Webnews
  • Alltagz
  • Google
  • Yahoo

Bitte loggen Sie sich ein, um einen Kommentar zu diesem Artikel zu verfassen. Bitte registrieren Sie sich, wir wollen nach Möglichkeit keine anonymen Kommentare veröffentlichen. Die Redaktion sichtet jeden Kommentar und entscheidet, ob der Leserkommentar freigeschaltet wird. Beleidigungen, nicht nachprüfbare Behauptungen, erkennbare Unwahrheiten und/oder rassistische Andeutungen führen dazu, dass der Kommentar in jedem Fall nicht freigeschaltet wird - hier kostenlos registrieren.

... oder benutzen Sie unseren Anonym-Zugang: E-Mail-Adresse: anonym. Kennwort: anonym

Die Kommentare sind Meinungen der Verfasser.





Börse

 

Tagesgeld-Vergleich
1 Ikano Bank
2,22 %
2 Bank of Scotland
2,20 %
3 Volkswagen-Bank direct
2,00 %
4 ING-Diba
2,00 %
5 Autobank
1,77 %
Laufzeit:3 Monate; Betrag 10.000 EURO
Festgeld-Vergleich
1 Autobank
2,07 %
2 Oyak Anker Bank
2,00 %
3 Ziraat-Bank
2,00 %
4 Sparda-Bank Hamburg
2,00 %
5 BKM Bausparkasse Mainz
1,76 %
Laufzeit:12 Monate; Betrag 10.000 EURO
Ratenkredit-Vergleich
1 PSD Bank Hannover
4,91 %
2 Ikano Bank
4,99 %
3 PSD Berlin-Brandenburg
5,11 %
4 Sparda-Bank West
5,11 %
5 Onlinekredit.de
5,40 %
Laufzeit:36 Monate; Betrag 10.000 EURO
Baugeld-Vergleich
1 SKG Bank
2,84 %
2 Europa
2,86 %
3 Hypovereinsbank
2,90 %
4 Cosmos direkt
2,92 %
5 Deutsche Bank
2,94 %
Laufzeit:10 Jahre; Betrag 100.000 EURO

Wetter

Wiesbaden

wolkig
9 – 22 °C
Heute
stark bewölkt
12 – 18 °C
Freitag
heiter
10 – 21 °C
Samstag
Mehr Wetter

Themenabo: Denken.Lernen.Erinnern

Abstimmung

Ist die Kritik an Thilo Sarrazin und seinen Thesen berechtigt?




Videos

ESWE Versorgung

Sonderveröffentlichungen

Specials

Svens Schnellschuss

Logo zum Special "Svens Schnellschuss"

Opel

opel

Kruschel

Flughafenausbau

Flughafen Frankfurt am Main

Klimawandel

Klimawandel

Druckbar

Foto: Jonny Lye/fotolia.com

14 Tage kostenlos Probelesen










Fuß Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zurück zum Inhalt | Zurück zur rechten Spalte
Ende der Seite Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zurück zum Inhalt | Zurück zur rechten Spalte
0.773456096649 Sekunden