Von Manfred Knispel
WILDWASSER Verein legt Zahlen vor / Weniger gemeldete Fälle
Der 1986 gegründete Verein Wildwasser, der sich gezielt um Fälle des sexuellen Missbrauchs von Mädchen und Frauen kümmert, hat im vergangenen Jahr eine leicht rückläufige Zahl von gemeldeten Fällen verzeichnet. Die Anzahl der Beratungsgespräche mit Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften sei allerdings nicht wesentlich zurückgegangen, heißt es.
1987 hatte Wildwasser die erste Beratungsstelle eröffnet. "21 Jahre Beratungsarbeit und Engagement gegen sexuelle Gewalt kennzeichnen Wildwasser Wiesbaden heute. Die jahrelangen Erfahrungen und deren fachliche Reflexion führen zu einem hohen Qualitätsstandard unserer Arbeit", sagt der dreiköpfige Vorstand im jetzt vorgelegten Tätigkeitsbericht für 2008.
Neben dem Vorstand hat die Beratungsstelle sechs Mitarbeiterinnen, die Leiterin ist die Psychotherapeutin Dr. Christine Raupp. Finanziert wird der Verein insbesondere durch Zuschüsse der Stadt Wiesbaden (48 Prozent) sowie der angrenzenden Kreise und des Landes. 21 Prozent der Mittel stammen aus Spenden und anderen Eigenleistungen.
Im vergangenen Jahr wurden dem Verein insgesamt 317 Fälle sexuellen Missbrauchs gemeldet. Im Vorjahr waren es noch 367 (siehe unsere Grafik oben). Rund 88 Prozent der Meldungen kamen aus Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis, aber auch aus Mainz und Frankfurt.
196 Personen wurden persönlich beraten, 2007 waren es mit 215 nur unwesentlich mehr. Wenig Veränderungen wurden ebenfalls in den Bereichen telefonische Beratung, Vernetzungsarbeit in Gremien und Kooperationen, Präventionsarbeit an Schulen in Wiesbaden und im Kreis sowie bei den zahlreichen Informationsveranstaltungen festgestellt. Fast zwei Fünftel der Betroffenen hatte sich selbst an Wildwasser gewandt, wobei auffällig gewesen sei, dass ein Großteil der Selbstmelderinnen bereits erwachsen war. Lediglich drei von ihnen waren jünger als 14 Jahre. Knapp ein Viertel der Meldungen kam von professionellen Bezugspersonen, etwaHINTERGRUND aus der Schule oder vom Jugendamt (siehe Grafik links unten).
Deutlich zurückgegangen ist die Zahl männlicher Betroffener, heißt es weiter. In den 21 Fällen waren 14 Jungen unter zehn Jahre alt, lediglich zwei Betroffene waren älter als 18 Jahre. Schwerpunkt der Beratungsgespräche war vor allem die Unterstützung und Beratung der Betroffenen selbst im persönlichen Gespräch. (siehe Grafik unten rechts). Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie ein Kind, eine Jugendliche oder auch eine inzwischen erwachsene Betroffene von den Familienangehörigen und Freunden unterstützt werden kann.
Lediglich in zwei Fällen hätte sich der Verdacht des sexuellen Missbrauchs später nicht bestätigt, heißt es weiter von Wildwasser im Tätigkeitsbericht. In 36 Prozent der Beratungen stellte sich später der Vater beziehungsweise der Stiefvater oder der Lebenspartner der Mutter als Täter heraus. Insgesamt handelte es sich bei fast zwei Dritteln der Fälle um innerfamiliären sexuellen Missbrauch.

