Von Jutta Schwiddessen
War´s Zufall oder Absicht? Der Zeitpunkt jedenfalls ist gut gewählt: Pünktlich zum Welttag des Buches am Donnerstag geht die Internationale Schulbibliothek Wiesbaden (ISBW) mit OB Helmut Müller als Schirmherrn an den Start.
Aus kleinen Anfängen kann Großes werden, hofft Anna Marx, Leiterin der Albrecht-Dürer-Schule, die die Idee der Internationalen Schulbibliothek, “die etwas mehr als nur eine Bücherei sein soll", ins Leben gerufen hat.
Kein Wunder: Schüler aus 36 Nationen besuchen “ihre" Realschule im multikulturellen Westend. Die Dürer-Schule gilt bundesweit als “Vorzeigeschule" für die Integration von Migrantenkindern. Und davon hat Wiesbaden nicht wenige: 31,5 Prozent der Wiesbadener Bevölkerung haben laut städtischer Statistik einen Migrationshintergrund, und bei den Kindern bis zehn Jahren sind es sogar 50 Prozent.
So soll die internationale Bibliothek, die für alle Schüler der Stadt offen sein soll, laut Anna Marx auch nicht allein “Schüler zum Lesen und zum Kennenlernen anderer Welten motivieren. Das Wichtigste ist: Bücher können Kindern, die zwischen zwei Welten schwimmen, helfen sich zurechtzufinden." 80 Prozent der Dürer-Schüler haben einen Migrationshintergrund, sprich ihre Wurzeln in einem anderen Land. Und viele, weiß die Schulleiterin, haben Zuhause weder ein klassisches Buch ihres ursprünglichen Heimatlandes noch deutsche Bücher.
1.000 Bücher sind da
Möglich gemacht hat die internationale Schulbücherei unter anderem eine Anschub-Finanzierung von 2.000 Euro des gemeinnützigen Elephants Clubs, der orientiert am Vorbild von Lions und Rotary-Club Business-Netzwerken mit Engagement für soziale Projekte verbindet. Unterstützt wird die Bibliothek außerdem von der Steuben-Schurz-Gesellschaft, dem Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreis, aber auch dem Medienpartner Wiesbadener Kurier, dessen Aufruf, Bücher zu spenden, mit dazu beigetragen hat, dass die Internationale Schulbibliothek bereits über den ansehnlichen Startbestand von 1.000 Büchern verfügt.
Dass Oberbürgermeister Helmut Müller die Schirmherrschaft für das Bibliotheksprojekt übernommen hat, war für die “Elephants" ein Grund, ihn im Rahmen eines Dinners im Dorint-Hotel, zu dem neben zahlreichen Elephants auch das Wiesbadener Kuratorium der neuen ISBW geladen war, zum “Ehrenelefanten" zu ernennen. Generell, so attestierte Elephants-Präsidentin Gabriele Rittinghaus dem “Jungbullen" Müller, gelinge es ihm als Oberbürgermeister immer wieder, “die Menschen in einer Großstadt dabei zu unterstützen, ihr Innovationspotenzial zu entfalten".
“Elefantentreue"
“Da fühlt man sich doch gleich ganz anders", kommentierte Müller “den Ritterschlag", dokumentiert durch einen kleinen goldenen Ansteckelefanten. Und er verriet, dass sein Lieblings(familien)film Walt Disneys Dschungelbuch ist. Und der, versprach er, soll künftig in verschiedensprachigen Versionen auch die neue Schulbibliothek bereichern.
Zum Ehrenelefanten wurde auch Andreas Dripke ernannt: Der Geschäftsführer von European Marketing Communications und Mitglied im ISBW-Kuratorium hat die Elephants und das Bibliotheksprojekt zusammengebracht und ist der Wiesbadener Repräsentant des Elephant-Clubs für das Projekt, das auch künftig mit “Elefantentreue" unterstützt werden soll.


Internationale Schulbibliothek Wiesbaden gestartet: Wie man aus einer Mücke einen Elefanten macht
Wenn Schulbibliotheken sich der öffentlichen Aufmerksamkeit erfreuen, ist das eine gute Sache. Aufmerksamkeit herzustellen scheint am besten PR-Experten zu gelingen, indem sie aus einer Mücke einen Elefanten machen.
Das alles für eine kleine von Eltern betriebene Bücherei, von der präpotent verlangt wird, sie solle gefälligst Nachahmer in ganz Deutschland finden. Da müssten schon allein in Hessen einige hundert Schulbibliotheken vom Elefanten zur Mücke mutieren.
Ein Vorgänger des Wiesbadener OBs hat vor einigen Jahren städtische Schul- und Stadtbibliotheken schließen lassen. Ehrenelefant, Schirmherr und Oberbürgermeister Dr Müller sollte die Aktion als Auftakt zu einem Schulbibliotheksentwicklungsplan für Wiesbaden nutzen. Was bisher von der Stadt Wiesbaden für Schulbibliotheken geplant ist, sieht eher nach einer Mücke denn einem Elefanten aus.
Günter K.Schlamp
LAG Schulbibliotheken in Hessen e.V.