SPD fordert beispielhafte Projekte zur Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Migrationshintergrund
(hed). Nicht nur Soziologen widmen sich seit langem bereits der Frage, wie Integration in unserem Land funktioniert, wie sie erfolgreich gestaltet werden kann vor dem Hintergrund, dass Deutschland in Europa bei der Zuwanderung von Menschen ganz oben auf der Skala steht.
Gab es im vergangenen Jahr noch eine Untersuchung mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass eigentlich die italienischen Mitbürger diejenigen seien, die sich bisher am wenigsten integriert hätten, obwohl bereits vor mehr als 40 Jahren die ersten Menschen aus Italien nach Deutschland strömten, so weisen die jüngst veröffentlichten Untersuchungen die Türken als "bisher am wenigsten integriert" aus (wir berichteten).
"In Wiesbaden wird von vielen Stellen eine sehr gute Integrationsarbeit betrieben, wir möchten diese Arbeit Stück für Stück ausweiten", hält der integrationspolitische Sprecher der SPD-Rathausfraktion, Hans-Peter Schickel, dem entgegen. Beispielhafte Projekte sowie Angebote in Schulen, Kindertagesstätten, Sportvereinen und vielen weiteren Trägern fänden sich im Integrationsbericht. Dort fehle allerdings ein Konzept zur stärkeren Beteiligung von Migrantinnen am Arbeitsmarkt.
Die SPD wolle hier "eine kleine Lücke schließen" und schlage deshalb im zuständigen Ausschuss vor, beispielhafte Projekte und Konzepte zu entwickeln, um die Quote der erwerbstätigen Migrantinnen zu steigern. Schickel verweist in diesem Zusammenhang auch auf die jetzt veröffentlichte Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die eine zu hohe "Hausfrauenquote" gerade bei Migrantinnen mit türkischen Wurzeln festgestellt habe. "Wir wollen niemandem vorschreiben, wie er oder sie zu leben hat, aber wir fänden es wünschenswert, wenn sich die jeweiligen Erwerbsquoten der deutschen Bevölkerung und der Menschen mit Migrationshintergrund einander angleichen würden", so Schickel.
Der SPD-Politiker verweist auf Schätzungen, wonach weniger als 30 Prozent der Ausländerinnen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, bei deutschen Frauen betrage die Zahl 48 Prozent. "Diese Tatsache ist aber nicht nur aus integrationspolitischer Sicht bedenklich, sondern bedeutet auch, dass überdurchschnittlich viele Migrantenhaushalte auf ergänzende Leistungen nach Hartz IV angewiesen sind, um in einer teuren Stadt wie Wiesbaden mit einem häufig geringen Einkommen über die Runden zu kommen", bemerkt Schickel abschließend.

