Von Falk Sinß
Ausländische Mitbürger absolvieren Einbürgerungstest an der VHS
Wer die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen möchte und keinen deutschen Schulabschluss vorweisen kann, muss seit dem 1. September einen Einbürgerungstest absolvieren.
Ein schmuckloser Raum wie ein Klassenzimmer in einer Neubauschule. Graue Wände, 15 sorgsam in Dreierreihen aufgestellte, weiß lackierte Tischplatten, die auf ein schwarzen Metallgestell geschraubt sind und auf denen braune DIN-A4-Kuverts liegen. An jedem Tisch sitzen jeweils zwei Personen, die darauf warten, den Test aus dem Umschlag zu ziehen und mit ihm beginnen zu dürfen. Vorne am Pult steht Beate Jung-Stöckle. "Sie können die Umschläge jetzt öffnen. Für die Beantwortung der Fragen haben sie 60 Minuten Zeit", sagt sie zu den 30 Anwesenden. Dann macht sich eine gespannte Stille in Raum 008 der Volkshochschule Wiesbaden (VHS) breit. Insgesamt 60 Menschen - aufgeteilt in zwei Gruppen - im Alter zwischen 19 und 65 Jahren aus 28 verschiedenen Nationen, nehmen an diesem Nachmittag am Einbürgerungstest des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge (BAMF) teil. Seit dem 1. September muss jeder Ausländer, der die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat und keinen deutschen Schulabschluss vorweisen kann, einen Einbürgerungstest machen. Die Teilnehmer erwarten 33 jeweils unterschiedliche Fragen zu Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie den Lebensverhältnissen in Deutschland. Ab 17 richtig beantworteten Fragen gilt der Test als bestanden. Die ersten Teilnehmer haben sich schon eine halbe Stunde vor Testbeginn im Aufenthaltsraum der VHS eingefunden. Von großer Nervosität ist wenig zu spüren. An den Tischen wird gescherzt und gelacht. "Richtig aufgeregt bin ich eigentlich nicht", sagt der Inder Rajbin S. Seit über 15 Jahren lebt er in Deutschland. Vor fast fünf Jahren hat er eine Deutsche geheiratet. Jetzt will er deutscher Staatsbürger werden. "Mir gefällt es hier gut und ich will endlich auch wählen können." Etwas aufgeregt, aber auch zuversichtlich ist dagegen Angelita F.: "Ich denke, ich werde es schaffen." Seit sechs Jahren lebt die Philippinin in Lorch im Rheingau. Einen speziellen Vorbereitungskurs habe sie nicht besucht. Ihr habe es genügt, den kompletten Fragenkatalog zu üben, wie anscheinend den meisten Teilnehmern in Wiesbaden. "Wir haben zwar einen Vorbereitungskurs angeboten, aber aufgrund mangelnder Nachfrage fand dieser nicht statt", erklärt Harald Schott, Fachbereichsleiter der Volkshochschule. Nach rund zehn Minuten gibt Elzbieta P. ihren Test ab. Sie glaube, dass sie den Test bestanden habe, sagt die Polin, die vor 15 Jahren als Studentin nach Deutschland kam. "Die Fragen waren ja zum Teil super einfach", sagt sie. Auch Rajdin S., der kurz nach Elzbieta P. abgibt, hat ein gutes Gefühl: "Für mich war der Test leicht." Nach knapp einer halben Stunde haben die meisten Testteilnehmer ihren Einbürgerungstest abgegeben. In den Monaten September und Oktober haben laut BAMF von fast 9000 Teilnehmern rund 98 Prozent den Test bestanden.

