Von Bertram Heide
Gesundheit als Schwerpunkt im Unterricht: Lerninhalte sind bis ins Detail ausgearbeitet
Für Wolfgang Thiel, den Leiter der Friedrich-List-Schule (FLS), war es ein Informationsabend der Superlative, als das Berufliche Gymnasium an der Brunhildenstraße jetzt erstmals auch den neuen Fachbereich "Gesundheit" vorstellte. "Die Aula platzte aus allen Nähten", freut sich der Schulleiter.
Als erste und einzige Schule des offiziellen Schulamtsbezirks Wiesbaden / Rheingau-Taunus-Kreis erteilte das Hessische Kultusministerium der Friedrich-List-Schule (FLS) an der Brunhildenstraße jetzt die Erlaubnis, in Kooperation mit der Louise-Schroeder-Schule im kommenden Schuljahr die Fachrichtung "Gesundheit" für die gymnasiale Oberstufe des Beruflichen Gymnasiums einzurichten (wir berichteten). "Mit diesem neuen Angebot reagieren wir auf die neuen Entwicklungen des Arbeitsmarkts", kommentiert Wolfgang Thiel, Schulleiter der FLS, die geplante Maßnahme. Auch für das renommierte Beratungsunternehmen McKinsey gilt als erwiesen: Das Gesundheitswesen entwickelt sich in den nächsten zehn Jahren zum großen Jobmotor der deutschen Wirtschaft. Die Chancen junger Menschen, in diesem Bereich eine Stelle zu finden, stiegen somit stetig. Die FLS plant daher, im neuen Schuljahr für Schüler der Jahrgangsstufe 11 zwei Klassen mit der Fachrichtung Gesundheit anzubieten. "Damit wird das Angebot an der FLS noch attraktiver", sagt der Schulleiter. Die Nachbarschaft zur Louise-Schroeder-Schule bietet dem Beruflichen Gymnasium ungeheure Synergieeffekte. Gesundheitslehre und Gesundheitsökonomie bilden die beiden inhaltichen Schwerpunkte der neuen Fachrichtung. Und die Louise-Schroeder-Schule verfügt über die entsprechenden hoch qualifizierten Fachkräfte für einen entsprechenden Unterricht. Die Gesundheitslehre wird sich vor allem den medizinischen Fragestellungen widmen, die Gesundheitsökonomie stellt die wirtschaftlichen Zusammmenhänge in den Vordergrund des Unterrichts im neuen Fachbereich. Lehrkräfte im Fachbereich "Gesundheit" an der Louise-Schroeder-Schule sind Dr. Gertraud Schottdorf und Dr. Nona Müller Rhode, die beide mehrere Jahre als Ärztinnen praktizierten, aber auch ihr zweites Staatsexamen als Berufsschullehrerinnen abgelegt haben. Als weitere Pädagogin mit praktischer Erfahrung kommt Simone Petznick hinzu; sie ist gelernte Medizinisch-Technische Assistentin (MTA). Die Lehrpläne für den neuen Fachbereich "stehen" bereits seit April 2002; um so mehr freuen sich die Organisatoren jetzt über die offizielle Genehmigung aus dem Hessischen Kultusministerium. Die inhaltlichen Schwerpunkte werden Lerninhalte aus dem Bereich der Humanbiologie ebenso umfassen wie Inhalte aus den verschiedenen medizinischen Grundlagenfächern. Natürlich soll dieses Grundwissen nicht abstrakt und trocken an die Jugendlichen weitergegeben werden. So heißt es in einer Beschreibung für den neuen Fachbereich: "Es wird Wert darauf gelegt, nicht nur naturwissenschaftliches Faktenwissen zu vermitteln, sondern dieses in übergeordnete Bezüge einzubetten, wie zum Beispiel `Wie Hintergrund kann ich das Wissen für eine gesundheitsbewusste Lebensweise nutzen?`". Und eine Zielformulierung konkretisiert das Ganze: "Die Schüler protokollieren und reflektieren ihr persönliches Ernährungsverhalten. Sie analysieren und vergleichen verschiedene Lebensmittel und Kostformen in Bezug auf ihre physiologische Notwendigkeit, die psychologischen Aspekte und Modetrends." Hintergrund wird es dabei beispielsweise auch sein, die Ursachen und Folgen von Essstörungen zu erkennen oder sich "gesundheitsfördernde Bewegungsabläufe am Arbeitsplatz Schule" anzueignen. Ernährung ist allerdings nur ein Themenbereich, durch den die Schüler mehr über Gesundheit, den Umgang mit der eigenen Gesundheit, erfahren können. Ein weiteres Ziel wird es sein, Schüler ihre eigene Stresssituation wahrnehmen zu lassen. Die Schüler sollen lernen, positiven unnd negativen Stress zu unterscheiden und Methoden der Stressbewältigung zu erarbeiten, um stressbedingten Gesundheitsschäden entgegenzuwirken und vorzubeugen. "Ernährung" und "Stress" sind die beiden Themenschwerpunkte, mit denen sich die Schüler der Klasse 11 im Fachbereich Gesundheit an der List-Schule auseinandersetzen werden. Immerhin 140 Unterrichtsstunden sind dafür eingeplant. Gleichzeitig sollen sie aber auch die wirtschaftlichen Grundtatbestände im Gesundheitswesen kennenlernen und erörtern. Und dazu werden auch das Studium des Bürgerlichen und des Sozialrechts gehören. Aufbauend darauf beschäftigen sich die weiterführenden Klassen beispielsweise mit dem "intakten Immunsystem als Grundlage für ein gesundes Leben", wobei es auch darum gehen wird, traditionelle und alternative Heilmethoden einander gegenüber zu stellen oder Medien als Quelle der Fachinformation zu nutzen. Für alle Interessierten gibt es weitere Informationen zum neuen Fachbereich an der List-Schule unter www.fls-wiesbaden.de.

