Projekt der Russlanddeutschen erhält Integrationspreis der Stadt Wiesbaden
17.08.2012 - WIESBADEN
Von Anja Baumgart-Pietsch
Schaut man sich den Belegungsplan der Räume im „Haus der Heimat“ an, findet man die Landsmannschaft der Russlanddeutschen als fleißigsten Veranstalter: Montags gibt es Theater, Judo, Musikunterricht und Französisch, einen PC-Kurs und eine Chorprobe. Dienstags einen Sprachkurs, Tanzen, Rückengymnastik, eine Gruppe für Übergewichtige. Mittwochs steht Karate, Tanzen, Taekwondo auf dem Programm und so weiter und so fort. „Die Landsmannschaft ist eine der aktivsten Gruppen und hat pro Jahr über 600 Angebote“, sagt Vorsitzende Vera Maier.
Unterstützt wird die Arbeit der Russlanddeutschen seit Herbst 2010 durch das Bundesministerium für Familie und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Ein dreijähriges Projekt unter dem Titel „Gemeinsam in Wiesbaden“ sorgt dafür, dass noch mehr Angebote stattfinden können. Sergej Schulz und Lilija Klingmann sind die Projektleiter.
Die Landsmannschaft sorgt dafür, dass Russlanddeutsche aller Altersgruppen sich schnell in Wiesbaden heimisch und integriert fühlen. Es gibt Unterricht für Kinder in Russisch, an jedem Samstag wird das Haus der Heimat dafür zur Schule; für alle gibt es auch Sprachkurse in Deutsch. Kinder können von Hausaufgabenhilfe, von schönen Festen und Feiern, von Ausflügen und Reisen, Sport und Kulturkursen profitieren.
„Im Juni“, so berichtet Vera Maier, „war eine Gruppe jugendlicher Kunstschüler aus St. Petersburg zu Gast.“ Gemeinsam mit Jugendlichen der Wiesbadener Landsmannschaft wurde in und um Wiesbaden gemalt. Die entstandenen Bilder werden demnächst im „Haus der Heimat“ ausgestellt. Ein Gegenbesuch in St. Petersburg ist geplant.
Sogar ein Fastnachtsfest gab es in diesem Jahr: „Masleniza“, so erklärt Vera Maier, ist ein ähnliches Fest in Russland. „Da gibt es ganz typische Pfannkuchen bei uns.“ Ein weiteres, ganz unspektakuläres, aber sehr gut angenommenes Angebot für Erwachsene heißt „Wege in Wiesbaden entdecken“. „Dabei gehen wir jeden Samstag gemeinsam spazieren, lernen die Stadt und ihre Vororte kennen und können uns unterhalten“, erklärt Vera Maier.
Mehrtägige Fahrten mit pädagogischen Angeboten, aber auch Tagesausflüge - demnächst zum Beispiel zum Felsenmeer im Odenwald - finden immer wieder statt. Durch die Sonderförderung, sagt Vera Maier, könne man momentan einiges zusätzlich ins Programm aufnehmen. „Ich werde versuchen, dass das Projekt verlängert werden kann“, hofft die Vorsitzende der Landsmannschaft.
Ein kleiner Baustein kommt aus Wiesbaden: Das Projekt „Gemeinsam in Wiesbaden“ erhält den Integrationspreis der Landeshauptstadt. Die feierliche Preisverleihung durch Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller wird am Dienstag, 25. September, um 17 Uhr im Festsaal des Rathauses erfolgen.


